Jacques Attali. Millennium




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Jacques Attali. Millennium

Beitragvon Horst Heinrich » So 25. Apr 2021, 16:15

In seinem, 1992 erschienenen Buch "Millennium" entwirft der französische Volkswirt und Politikberater Jacques Attali mit einer umwerfenden visionären Treffsicherheit ein Bild von der Gesellschaft des 21.Jahrhunderts.

Heute, fast 30 Jahre nach Erscheinen dieses, durchaus als Warnung und Aufforderung, der absehbaren Entwicklung gegenzusteuern zu verstehende, 140 Seiten starken Essays ist fast alles haargenau eingetreten, was Attali prognostiziert hat.

So sieht er beispielsweise in dem zunehmenden Nord-Süd-Konflikt (Erste und Zweite Welt gegen die Dritte) eine Tendenz zu einer neuen "Berliner Mauer", die die zurückgehaltenen Völker aber allein aufgrund ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit (drei Milliarden gegen 300 Millionen) schon in absehbarer Zeit überwinden werden.
So schreibt er: "Wenn der Norden angesichts der Notlage [des Südens] weiterhin passiv und gleichgültig bleibt, besonders aber, wenn Osteuropa dank der vollen Kraft westlicher Hilfsbereitschaft in die Umlaufbahn des Wohlstands katapultiert, der Süden hingegen vernachlässigt wird, werden die Völker der Peripherie zwangsläufig aufbegehren und den Krieg beginnen."
Sind nicht die Immigrantenhorden seit 2015 so zu sehen?

Dazu sieht er die kriegstreibende Kraft sozialer Ungleichheit und hyperökonomischen Strukturen im Inland wie dem Ausland: "Man will nur etwas, wenn ein anderer es ebenfalls will. Bei einander gleichenden Begehrlichkeiten entsteht Gewalt."

Diese zunehmende Rivalität im Sinne eines "survival of the fittest" sieht er in den zerfallenden sozialen und demokratischen Strukturen nicht mehr gezügelt, zumal bereits globale Konzerne nationale Legislativen, Judikativen und Exekutiven aushebeln. Das Marktgeschehen verlagert sich mehr und mehr in den freien, schrankenlosen virtuellen Raum. Und der wird von marktorientierten, marktsteuernden und marktbeherrschenden Kapitaldiktaturen regiert.

Man könnte ob dieser Bestandsaufnahme eigentlich als intellektueller Mensch verzweifeln, aber, Attali plädiert auf eine schonungslose Selbtbesinnung:

"Die Erde ist wie eine Bibliothek, die intakt bleiben muß, nachdem wir uns mit der Lektüre und mit neuen Autoren bereichert haben. Das Leben ist das kostbarste Buch".

Jacques Attali.
Millennium

ECON-Verlag, Düsseldorf 1992
ISBN: 9783430110839
Die Gesellschaft im 21.Jahrhundert: Bei vielen nichts anderes als das Fortleben des prähistorischen Menschen unter der dünnen Schale der Zivilisation.
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Horst Heinrich
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