Hochwasserschäden Eifel 2021




Alles, was sich so in jüngster Vergangenheit ereignet hat oder sich ereignen wird

Hochwasserschäden Eifel 2021

Beitragvon Rolf » Fr 23. Jul 2021, 20:08

Ich mach mal den Anfang. Von Montag bis Donnerstag habe ich in Ahrweiler ein wenig mitgeholfen, die Folgen der Überschwemmung zu beseitigen. Das heißt in Ahrweiler, Schlamm schippen und kaputte Sachen aus den Häusern raus räumen. Bei der Gelegenheit habe ich mehrfach einen Blick auf die Bahn werfen können. Zwischen Ahrweiler und Bad Neuenahr sieht die Strecke optisch noch gut aus, aber oberhalb Walporzheim soll alles völlig zerstört sein. Die Bewohner, denen wir geholfen haben, berichten davon, dass sich oberhalb der bunten Kuh wohl ein Stausee und eine Staumauer aus Treibgut aufgebaut haben. Letztere ist dann irgendwann geborsten und in Altenahr ist das Wasser blitzschnell in die Altstadt gelaufen Es wird berichtet, dass hinter Walporzheim auch bahntechnisch alles im Eimer ist, was ein Freund aus Dernau betätigt. Die Bilder sind eindeutig.
Nun berichtet auch die ARD, dass der Wiederaufbau Jahre in Anspruch nehmen wird:
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/un ... MopWjUf2QQ
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von Anzeige » Fr 23. Jul 2021, 20:08

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Re: Hochwasserschäden Eifel 2021

Beitragvon Horst Heinrich » Fr 23. Jul 2021, 22:04

Danke, Rolf, daß Du hier einmal den Anfang gemacht hast, dieses auch eisenbahntechnisch denkwürdige und katastrophale Ereignis zu dokumentieren.
Man mag die Einzigartigkeit der Ereignisse auch daran erkennen, daß niemand bisher einen kritischen Erklärungsversuch unternommen hat - es gibt einfach für ein solches Inferno keine seriöse Deutung, wie es auch für das nachfolgende Handeln kein Konzept gibt, oder wie unser, sonst von mir nicht sehr geschätzter Innenminister meinte, es gibt keine "Blaupause".
Vieles wird noch lange Versuch und Improvisation sein und erst bei der Probe wird sich zeigen, ob das Erdachte trägt.

Andererseits, um bei der Ahrtalbahn zu bleiben - jetzt, da die alte Trassierung faktisch mitsamt der LST weggeschwemmt ist, wäre ja auch die Chance, oberhalb Walporzheim über neue, vielleicht mehr an der aktuellen Nachfrage orientierter Streckenführungen nachzudenken.

Aber hier kenne ich mich nicht gut genug aus - da wärest jetzt Du, Rolf, dran, uns etwas über Chancen und Risiken zu referieren.

Jedoch zuvor, herzlichen Dank für Deinen Hilfseinsatz, das ist beispielhaft!
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Re: Hochwasserschäden Eifel 2021

Beitragvon Rolf » Fr 23. Jul 2021, 23:20

Tja, das Ahrtal ist westlich Walporzheim besonders eng und formt eine regelrechte Schlucht. Und zwar eine sehr tiefe. Und die ist nur entstanden durch Erosion, also durch solche Ereignisse wie am letzten Mittwoch. 1910 muss es ähnlich schlimm gewesen sein und 1804 ebenfalls. Mit leichtem Schaudern habe ich mir heute den Pegel Cochem angesehen. Weit über der Marke für das Rekordhochwasser von 1993 stand eine Marke für das 18. Jahrhundert (ich meine, von 1782, bin mir aber nicht ganz sicher). Und die lag ein Stockwerk höher, geschätzt 4 Meter plus. Da es kaum ältere Markierungen gibt, kann man nur erahnen, was vorher noch für Höchststände zu verkraften waren. Eine Geschichte noch dazu: Ich habe als Schüler und Student viele Jahre in Xanten im APX gearbeitet. Mein hochverehrter Chef und Erfinder des APX, Dr. Gundolf Precht, hat mir irgendwann in den späten 80er Jahren die Grabungsergebnisse zum römischen Militärlager Vetera II gezeigt und erläutert. Das neue Lager wurde von den Römern nach dem Bataver-Aufstand mit viel Bedacht auf einer Anhöhe in Rheinnähe errichtet. Obwohl es deutlich höher lag als die Umgebung, die am Niederrhein sehr flach ist, wurde das Lager in der Mitte des 4. Jahrhunderts komplett weggespült, wie die Befunde nahe legen. Und das in einer Gegend, in der der Rhein viel Platz hatte und hat, um in die Breite auszuweichen. Gundolf Precht nannte eine Jahrtausendflut als Ursache. Flutkatastrophen scheinen eine lange Tradition zu haben. Selbst die cleveren Römer mussten vor der Kraft des Wassers kapitulieren. Letztendlich kann man da nicht viel machen, solche Ereignisse sind früher oder später fällig. Andernfalls sähen die Täler der Eifel nicht so aus wie sie eben aussehen. Die Eifel ist eine tektonische Platte, die sich angehoben hat und die tief eingeschnittenen Flüsse haben die Täler geschaffen, wie wir sie heute kennen. Die Gefahr einer großen Überschwemmung war immer da und sie wird auch in Zukunft da sein, denn anders als am Niederrhein, wo es entsprechende Projekte in meiner Urheimat gibt, kann man die Deiche an Ahr und Kyll nicht einfach zurücknehmen. Für die flussnahen Bewohner eine wenig angenehme Perspektive.
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Re: Hochwasserschäden Eifel 2021

Beitragvon Dieselpower » Fr 23. Jul 2021, 23:26

Ja, der Anfang ist gemacht - und auch der Verlauf der "Ereignisse der Kontraproduktiven" nahmen einen voraussehbaren Verlauf...
Der Grüne Salonlinke und -adlige K. von Notz - also Nichtsnotz - machte sich bereits Sorgen darum, daß ein paar Hilfsbereite - angeblich aus den Reihen der Reichsbürger, Querdenker, Rassisten, Antisemiten (und was dieser Vollidiot sich sonst noch so zusammengereimt hat) "die Ereignisse sich politisch zu Nutzen machen könnten" - und das nachdem die Klimasekte das ganze Programm bereits abgespult, und natürlich den "menschgemachten Klimawandel" als Universalschuldigen ermittelt hat.
Politik von Bekloppten für Bekloppte also...

Natürlich ist ein Zusammenhang nicht auszuschließen, aber letztendlich auch nicht bewiesen, denn das Magdalenenhochwasser, das 1432 halb Europa heimsuchte, kann man wohl kaum der Dampfmaschine in die Schuhe schieben, die erst gut 350 Jahre später erfunden wurde...aber insofern ist es typisch linksdeutsch unredlich, anderen ein "Ausschlachten" vorzuwerfen, während man das ganze innerhalb eines Megakomplexes ständig tut, und sogar das Husten eines Papageis dem Klimawandel in die Schuhe schiebt.

Was Hilfeleistungen anbelangt, so fehlt mir leider die Zeit dazu, aber wir haben befreundeten Betroffenen bereits Haushaltsgeräte überlassen, ich habe eben zwei der "PIKO hilft"-Wagen erworben (wofür ich auch reichlich Werbung mache), und Teile unseres Hausrates warten aus organisatorischen Gründen nur auf Bekanntgabe von Ort und Zeitpunkt der Übergabe, da die Sortierung der Hilfsgüter offenbar ein logistisches Riesenproblem darstellt.

Im Kontrast hierzu fand ich - nach Milliardengeschenken für E-Mobilität in Indien, Flüchtlingsdeals mit Syrien und 630 Mio Entwicklungshilfe für China (!!!) - um nur ein paar Beispiele zu nennen, den Aufruf des Merkelmonsters nicht nur zynisch sondern geradezu sittenwidrig....



Aber zur Ahrtalbahn: Auch bei mir drängte sich der Satz auf: "Wenn schon neu bauen, warum dann nicht weiter, wenn wir eh schon ein mal dabei sind?".
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Re: Hochwasserschäden Eifel 2021

Beitragvon Horst Heinrich » Sa 24. Jul 2021, 10:08

Danke, Rolf, für diese fundierten Fakten und Einschätzungen.
Wenn man den Grundsätzen der Nationalökonomie folgt, sind es gerade die Katastrophen, die zu innovativen Wandlungen führen und -zum Glück wegen der Eilbedürftigkeit- vorbei an bürokratischem Gewäsch und der angezogenen Handbremse der Berufsbedenkenträger- ohne die üblichen, überlangen Planungszeiten.

Insofern bin ich gespannt, was in der Eifel noch alles gelingt.
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Re: Hochwasserschäden Eifel 2021

Beitragvon Horst Heinrich » Sa 7. Aug 2021, 23:05

https://www.youtube.com/watch?v=bp_f1H78BTM

Elende Schmeißmücken á lá eta
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Re: Hochwasserschäden Eifel 2021

Beitragvon Dieselpower » So 8. Aug 2021, 12:41

Man gönnt sich sogar den Luxus, praktische und finanzielle Hilfe der Querdenker auszuschlagen - der Keil in der Gesellschaft sitzt tief, und wird von diesem Drecksapparat aus Medien und Politikern sowie selbsternannten "Experten" a la Klabauterbach immer tiefer hineingetrieben.
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Re: Hochwasserschäden Eifel 2021

Beitragvon Rolf » Mi 11. Aug 2021, 15:31

Dass das Ahrtal schon seit grauer Vorzeit von extremen Hochwassern heimgesucht wurde, wird aktuell zu wenig in den Blick genommen und stattdessen alles auf den Klimawandel geschoben. Wir haben es wohl alle irgendwie gewusst und doch verdrängt, wie gefährlich die Ahr und die anderen Flüsse in den von Erosion tief eingeschnittenen Tälern der Eifel sein können. Hier eine Chronik der Hochwasserereignisse an der Ahr in den letzten Jahrhunderten von Dr. Karl August Seel, einem Ahrtal-Urgestein, die sehr erhellend ist:
https://www.kreis-ahrweiler.de/kvar/VT/ ... 983.25.htm
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Re: Hochwasserschäden Eifel 2021

Beitragvon Horst Heinrich » Mi 11. Aug 2021, 19:33

Rolf hat geschrieben:Dass das Ahrtal schon seit grauer Vorzeit von extremen Hochwassern heimgesucht wurde, wird aktuell zu wenig in den Blick genommen und stattdessen alles auf den Klimawandel geschoben. Wir haben es wohl alle irgendwie gewusst und doch verdrängt, wie gefährlich die Ahr und die anderen Flüsse in den von Erosion tief eingeschnittenen Tälern der Eifel sein können. Hier eine Chronik der Hochwasserereignisse an der Ahr in den letzten Jahrhunderten von Dr. Karl August Seel, einem Ahrtal-Urgestein, die sehr erhellend ist:
https://www.kreis-ahrweiler.de/kvar/VT/ ... 983.25.htm


Ganz toll, Rolf, was Du uns da an die Hand gibst. Danke!
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Re: Hochwasserschäden Eifel 2021

Beitragvon Rolf » Do 12. Aug 2021, 12:10

Dann lege ich nochmal nach, der allen Hysterikern ans Herz gelegt werden sollte:
https://www.faz.net/aktuell/wissen/erde ... 70847.html
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