Wer blickt da noch durch?




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Wer blickt da noch durch?

Beitragvon Horst Heinrich » Mi 22. Jul 2020, 00:21

Aus der Rhein-Zeitung

Zu Unrecht als Schwarzfahrer behandelt: Kontrolleur kennt VRM-Aktion nicht und verhängt Schüler „Strafzettel“

Zu Unrecht beschuldigt und in aller Öffentlichkeit als Schwarzfahrer gebrandmarkt – diese unangenehme Erfahrung machte ein 15-Jähriger aus Nassau am vorvergangenen Sonntag im Zug von Lahnstein nach Hause. Obwohl er nach Angaben seiner Mutter dem Schaffner seine
Schülerfahrkarte vorzeigte, nahm der Bahnmitarbeiter seine Personalien auf und verpasste ihm eine Forderung über 60 Euro. Doch offenbar war der Kontrolleur nicht über ein besonderes Angebot des Verkehrsverbundes informiert.

Carlo Rosenkranz 21.07.2020, 20:00 Uhr

Das gewährt allen Inhabern von Abo- und Jahresfahrkarten derzeit nämlich freie Fahrt im gesamten Verbundgebiet.
Am letzten Schultag vor den Sommerferien veröffentlichte der Verkehrsverbund Rhein-Mosel auf seiner Internetseite die Kunde von der Sommer-Sonder-Aktion. Mit diesem Wissen bestieg der Schüler aus Nassau am 12. Juli den Zug in Niederlahnstein, um nach Nassau zu fahren. Seine Schülerjahreskarte
dient normalerweise dazu, die Busverbindung zwischen seinem Wohnort und der IGS in Nastätten zu nutzen, und gilt eigentlich auch nur auf dieser Strecke.
Der Zugbegleiter, der sich auf Höhe Friedrichssegen das Ticket zeigen ließ, wusste wohl nichts von der bis 14. August geltenden großzügigen Regelung des VRM und behandelte den Jungen vor den anderen Fahrgästen wie einen Schwarzfahrer. „Er hat meinem Sohn nicht geglaubt“, schildert die
Mutter. Da der 15-Jährige kein mobiles Internet hatte, konnte er dem Kontrolleur unterwegs auch nicht die VRM-Veröffentlichung auf dem Smartphone aufrufen, die mehr als eine Woche zuvor veröffentlicht worden war. Weitere Ärgernisse folgten.

Nach Aufklärung:
DB-Mitarbeiter lässt die 60-Euro-Forderung fallen, verlangt aber eine Bearbeitungsgebühr.
Mit der Forderung der Bahn, innerhalb von 14 Tagen 60 Euro als erhöhten Fahrpreis zu überweisen, wandte sich die Mutter des 15-Jährigen zunächst an den VRM. „Die haben mir bestätigt, dass die Fahrkarte in diesen Sommerferien für das gesamte Netzgebiet gilt“, sagt die Nassauerin. Sie möge
sich doch am Schalter in Koblenz oder Limburg oder übers Internet an die Deutsche Bahn wenden, um die Sache aufzuklären.
Um die lange Fahrt zu vermeiden, nutzte die Mutter den DB-Chat im Internet und lud dort ein Foto vom Schülerticket und dem „Strafzettel“ hoch. Schnell ließ der Bahn-Mitarbeiter die 60 Euro-Forderung fallen, es sei aber eine Bearbeitungsgebühr von 7 Euro bis Ende des Monats zu zahlen.
Das ist mehr, als eine reguläre Fahrkarte von Niederlahnstein nach Nassau gekostet hätte. Davon ließ sich der DBMitarbeiter durch nichts abbringen.

„Im Klartext: Der Schaffner hat einen Fehler gemacht und ich muss jetzt für die Bearbeitung bezahlen“, empört sich die Nassauerin gegenüber dieser Zeitung. „Mal ganz von dem Zeitaufwand abgesehen, den die Angelegenheit mit sich gebracht hat.“ Rund zwei Stunden habe sie investiert, um die
ungerechtfertigten Vorwürfe gegen ihren Sohn auszuräumen.
Dass die Frau aus Nassau alles richtig gemacht hat, bestätigt der Bereichsleiter Marketing des VRM, Ulrich Barwinski, auf RLZ-Anfrage. „Abo- und Jahreskarten gelten während der Sommerferien in diesem Jahr im gesamten Verbundgebiet“, betont er.
„Darauf kann man sich berufen und den Zugbegleiter hinweisen.“ Barwinski empfiehlt, einen Ausdruck der Meldung mit sich zu führen, falls es Probleme gibt.

Dass es dazu in Ausnahmefällen kommen kann, sei nicht verwunderlich. Die Zugbegleiter hätten zum Teil lange Reisewege zu betreuen, die bis
zu drei Bundesländer mit unterschiedlichen Konditionen tangieren. „Es sollte nicht vorkommen, kann aber mal passieren.“
Bis Mitte August mit Pendler- oder Schülerjahreskarte frei zwischen Diez und Traben-Trabach die ÖPNV-Angebote nutzen
Falls die Information über die Sommer-Sonder-Aktion nicht bis zum Schaffner durchgedrungen ist, sollten Kunden sich zunächst an das Verkehrsunternehmen – in diesem Falle die Bahn – wenden.
Wenn man dort nicht weiterkommt, empfiehlt Barwinski, eine E-Mail an den VRM zu schreiben.
„Wir regeln das dann mit dem Unternehmen“, sagt der Bereichsleiter Marketing und Information. Doch nicht nur Zugbegleiter scheinen gelegentlich nicht auf dem neuesten Stand zu sein, sondern auch die Kunden.
Von der Tatsache, dass man bis Mitte August mit seiner Pendler- oder Schülerjahreskarte frei zwischen Diez und Traben-Trabach und zwischen Oberwesel und Remagen die ÖPNV-Angebote im VRM nutzen kann, ist die Mutter aus Nassau grundsätzlich begeistert. „Schade, dass so wenig Werbung dafür
gemacht wurde“, sagt sie.

Die erst am letzten Schultag veröffentlichte Meldung ist wohl von vielen gar nicht wahrgenommen worden. Das scheint auch eine Bemerkung von VRM-Marketing-Mann Barwinski zu bestätigen. Der nämlich weiß auch von Kunden, die in den vergangenen zweieinhalb Wochen für eine Zug- oder
Busfahrt bezahlt und erst dann festgestellt haben, dass sie das Geld gar nicht hätten ausgeben müssen.

Infos zur Sonderaktion
Am 2. Juli haben sich die VRM GmbH, die im VRM tätigen Verkehrsunternehmen sowie das Land Rheinland-Pfalz darauf geeinigt, den auch in den schwierigen Corona-Zeiten treuen Abo-Kunden im Rahmen einer Sommer-Sonder-Aktion als Dankeschön einen kostenlosen Mehrnutzen zu ermöglichen. Die für eine bestimmte Fahrtverbindung gültige Abo-Fahrkarte gilt während der gesamten Sommerferien in Rheinland-Pfalz bis zum 14. August an allen Wochentagen im gesamten Verbundgebiet des VRM. Das gilt auch für Schüler-Abos und Schülerjahreskarten, wie einer Mitteilung des VRM zu entnehmen ist.
Diese ist im Wortlaut auf der Internetseite ( http://www.ku-rz.de/vrmaktion)
nachzulesen. crz
Die Gesellschaft im 21.Jahrhundert: Bei vielen nichts anderes als das Fortleben des prähistorischen Menschen unter der dünnen Schale der Zivilisation.
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von Anzeige » Mi 22. Jul 2020, 00:21

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Re: Wer blickt da noch durch?

Beitragvon Dieselpower » Mi 22. Jul 2020, 00:41

Wenn es nicht diesen völlig überflüssigen Wasserkopf aus Zweckverbänden, Aufgabenträgern, Bestellern, Betreibern und was weiß ich nicht noch alles geben würde (und das metastasenartig von Bundesland zu Bundesland inflationär und unübersichtlich wuchernd), würde sowas nicht passieren - x km kosten y Euro - eine Handvoll Sparangebote, "Kind" geht von 6-14 Jahren...fertig - so, wie es früher war, als man noch kein dreijähriges Studium brauchte, um die Gepflogenheiten des Verbundes ABC mit denen des hinter der nächsten Weiche beginnenden Verbundes DEF zu vergleichen, und obendrein auch noch den richtigen Fahrschein zu lösen....
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