Bad Münster am Stein 1986




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Bad Münster am Stein 1986

Beitragvon Horst Heinrich » Sa 18. Jul 2020, 18:28

Im Jahre 1986 war an der Nahe sowohl im Güter- als auch Personenverkehr noch einiges los, was heute unvorstellbar erscheint.
Rodrigo H. Gebhard, Soldat der Luftwaffe, stationiert im Hunsrück-Nahe-Raum und großer Eisenbahnfan hat hier das Bahngeschehen in Bad Münster am Stein im Mai 1986 dokumentiert.

https://www.youtube.com/watch?v=iPTa8To5LKY

Hierzu schreibt er:
Im Mai 1986 war im Raum Bad Kreuznach / Bad Münster a. St. noch viel "alte Bahn" zu erleben. Das Regional-Eilzug-Konzept war zwar damals in Kraft (sprich: Stationen wie Langmeil, Imsweiler, Hochstätten, Altenbamberg, Ebernburg, Niederhausen, Norheim oder Ockenheim wurden nur wenige Male pro Tag oder überhaupt nicht mehr bedient), doch es gab D-Zug-Läufe in die "große weite Welt" (Frankfurt - Paris, Saarbrücken - Göttingen) und noch Güterverkehr in voller Pracht, wenn auch auf Ästen wie Bad Kreuznach - Alsenz schon recht dünn geworden.

Jeden Morgen kam ein langer Güterzug von Mainz-Bischofsheim nach Bad Kreuznach, von dort wurde im Laufe des Tages nach Alsenz, Staudernheim, Planig, den Michelin-Werken u.a. gefahren. Insbesondere gab es morgens (planmäßig BMü 5.32 Uhr) den immer noch recht langen Nahgüterzug nach Kirn, der dort im Umkreis Wagen verteilte und einsammelte und abends in ebenso stattlicher Länge nach Kreuznach zurückdieselte (BMü 19.05). Dieser Zug hielt sich bis zum Sparprogramm MORA-C (2001/02) beharrlich im Fahrplan. Auch die Übergabefahrt nach Alsenz war nicht immer so kurz wie hier im Film zu sehen. Am Mo, 26.5.86 wurde sie beispielsweise mit immerhin 7 Wagen gesichtet (260-G-G-H-G-K-K-Fc, die K-Wagen waren mit Sand o.ä. beladen, BMü 10.53 Uhr).

Selbst zum Gleisanschluss des RWE-Kraftwerks am Stausee Niederhausen (ehemals Glantalbahnabschnitt Bad Münster - Odernheim) wurde noch gelegentlich gefahren, so wurde, wie ein Fdl erzählte, in der 1. Jahreshälfte 1986 dort ein Kesselwagen mit Trafoöl hingebracht. (Auch vom 1.2.1988 ist eine solche Fahrt dokumentiert.) Hinzu kam täglich der Opel-Logistikzug KL-Einsiedlerhof - Rüsselsheim sowie ca. 2x pro Woche der Kalkzug Stromberg - Dillingen (später unter privater Regie Stromberg - Ludwigshafen BASF) und natürlich Militär-Sonderzüge - nach Angaben des Fdl "mal 8 Tage keine, mal viele an einem Tag". Zwei davon sehen wir hier.

Ein fahrplantechnisches Kunstwerk war der D 2128 Pirmasens - Bingerbrück mit seinen Kurswagen von Landau und nach Dortmund. Für alle, die sich fragen, warum es solche Kunststücke heute nicht mehr gibt, sind am Schluss dieses Videos die Fahrplanzeiten zu sehen: Wegen der ganzen Rangier- und Überholungs-Aufenthalte war man damals im durchgehenden Wagen fast 7 Stunden von Landau bis Dortmund unterwegs. Stieg man in Neustadt/Weinstraße und Mannheim um, so war man 2 Stunden schneller, und seit 2002 kann man es dank Schnellfahrstrecke in unter 4 Stunden schaffen. Und das nicht nur einmal am Tag.
Die Gesellschaft im 21.Jahrhundert: Bei vielen nichts anderes als das Fortleben des prähistorischen Menschen unter der dünnen Schale der Zivilisation.
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