Onkel Hennes Bilderalbum




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Onkel Hennes Bilderalbum

Beitragvon Horst Heinrich » Di 8. Okt 2019, 12:59

Liebe Mitforianer,

ich möchte das Bilderalbum meines Onkel Hennes auch in diesem Forum wiederbeleben.
Von Onkel Hennes (1906-1995) erfuhr ich die wichtigsten Eisenbahnprägungen.
1924, nach dem Abitur ging er zur Bahn.
Das zunächst angedachte Jurastudium war ihm in den Wirren der Inflations- und französischen Besatzungsjahre in den Rheinlanden zu unsicher.
Seine Ausbildungen für den gehobenen (Betriebs-)Dienst umfaßten seinerzeit noch alle Sparten des nichttechnischen Dienstes, die Lokführerprüfung eingeschlossen.

Seine erste Planstelle nach der Inspektorenprüfung war der Bahnhof Mainz-Bischofsheim.

Seinen aktiven Dienst beendete er im Sommer 1971 als BOR bei der neu installierten ZTL Mainz, die er noch aufbauen half.

Als hoher Beamter hatte Onkel Hennes, obwohl er persönlich bescheiden war, einige Attribute des Wohlstandes, etwa ab den frühen 1960er Jahren einen VW-Käfer und auch einen hochwertigen Fotoapparat, eine Agfa Silette.

Er fotografierte gerne, sammelte aber auch Fotografien anderer, z.B. aus dem Bahngeschehen "seiner" BD Mainz.

Den Anfang möchte ich mit der linksrheinischen Blockstelle Rheinstein bei km 149 unweit von Bingerbrück machen.

Sie bestand bis Ende der 1969er Jahre und über ihren BÜ konnte man von der Bundesstraße 9 und dem nahegelegenen Ausflugslokal "Haus Böppchen" die Rheinkribben erreichen.
Die einst in Blaubasalt gepflasterte Reichs-, spätere Bundesstraße 9 ist bereits mit einer Teerschicht überzogen, ein Zugeständnis an den Kraftfahrzeugverkehr, der ab den späten 1930er Jahren am Rhein zunahm.
Inwischen sind leider das Dienstgebäude, als auch das "Haus Böppchen" abgerissen.

Auf der rechten Rheinseite oberhalb von Aßmannshausen sieht man noch einen der zahlreichen kleinen Steinbrüche. Hier holten sich die Bewohner der Rheintalgemeinden noch viele Jahre ihren Taunusquarzit als Baumaterial.
Heute gibt es nur noch einen Steinbruch im Rheintal, die Hartsteinwerke Sooneck bei Trechtingshausen.
Leider besitzt das Unternehmen keinen Bahnanschluß, aber eine stark genutzte Verladeeinrichtung für Rheinschiffe.


Bild

Die Hindenburgbrücke
Wenige Jahre vor der vorherigen Aufnahme waren die Rheinlande (von 1918 bis 1930) französisch besetzt.
Auf der folgenden Aufnahme sind zwei französische Offiziere bei einer Inspektionsfahrt über die Hindenburgbrücke zu sehen.
Die Reichsbahn selbst hatte die Brücke mit einem Bohlenbelag versehen, um sie ab 1920 für den Auto- und Lkw-Verkehr zu öffnen.

In einem langjährigen Prozeß gegen die Bahn wehrten sich die Binger und Rüdesheimer Fährleute gegen diesen Eingriff in ihre, seit dem Mittelalter bestehenden Fährrechte.
Schließlich verlor die Bahn den Prozeß und ab 1928 diente die Hindenburgbrücke wieder ausschließlich dem Bahnverkehr.

Wenn die Franzosen eine Inspektionsfahrt mit dem Auto unternahmen, mußte der Bahnverkehr angehalten werden.
Die Züge warteten dann rechtsrheinisch vor der Bk Floß und linksrheinisch vor der Bk Rochusberg.
Diese Inspektionsfahrten hatten meist keine militärische Bedeutung, französische Offiziere waren gern gesehene Gäste in Binger und Rüdesheimer Weinlokalen.
Bild

Der Blick geht Richtung Rüdesheim.

Strecke Simmern-Gemünden

Die Strecke von Simmern nach Gemünden, lange projektiert, 1913 begonnen und erst 1922
vollendet, sollte eigentlich den Hunsrück direkt mit der Nahestrecke bei Martinstein verbinden.

Aber, als nach neunjähriger Bauzeit das etwa 15 km lange Teilstück bis Gemünden fertig war, war der Kraftfahrzeugverkehr schon so eine gute Alternative, insbesondere in Gestalt der Post- und Bahnbusse, daß die Fortführung der Strecke durch das Kellenbachtal nicht mehr realisiert wurde.

Auch der Güterverkehr, hauptsächlich der Abtransport von Gestein und von Holz, war schon stark auf Lastkraftwagen umgestellt.
Als erste Strecke auf dem Hunsrück wurde Simmern-Gemünden daher bereits am 24.November 1963 stillgelegt, man wartete nicht einmal mehr das Ende der Fahrplanperiode ab.

In den folgenden beiden Jahren wurde die Strecke komplett abgebaut.

Fotoaufnahmen vom Betrieb der Strecke sind selten.
Das Bild zeigt den Eröffnungszug am 3.Juli 1922 aus Simmern kommend im Bf Holzfeld.
Das Empfangsgebäude weicht stilistisch schon von den, zwischen 1888 und 1903 errichteten Gebäuden der Hunsrücker Bahnen ab und zeigt Elemente des Bauhaus-Stiles.

In jener Zeit litt das ganze heutige südwestliche Rheinland-Pfalz einerseits unter der französischen Besatzung, andererseits unter einer gewaltigen Inflation. So wurde der Naturaltausch wiederbelebt.
Da die Kaufkraft des Geldes permanent sank, fuhren Städter oder meine rheinhessischen Vorfahren gerne in den Hunsrück, um etwa Obst gegen Kartoffeln zu tauschen.

Solch eine Tausch-oder Hamsterfahrt dauerte dann den ganzen Tag, ein dreimaliges Umsteigen auf 90 Streckenkilometern inbegriffen. Bei aller Eisenbahnromantik: Unter diesen Umständen hätte die Strecke heute keine Chance, selbst wenn es sie noch gäbe.

Aber man kann ja, wie man andernorts sieht, mit kreativen Konzepten auch ländliche Strecken attraktiv machen.

Bild
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von Anzeige » Di 8. Okt 2019, 12:59

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Re: Onkel Hennes Bilderalbum

Beitragvon Horst Heinrich » Mi 22. Jan 2020, 11:34

Im Bahnhof Ebernburg

Von 1816 bis 1945 gehörte die Pfalz zu Bayern.

Nördlichster königlich-bayerischerBahnhof war der Bahnhof Ebernburg bei Bad Kreuznach, zugleich Grenzbahnhof zu Preußen und gelegen an der 1871 eröffneten Alsenzbahn.

1920 faßte man die Bahnen zur Deutschen Reichsbahn zusammen und entließ sie damit aus der Verwaltung der Länder.

Anläßlich dieser Umorganisation, die zum 1.April beginnen sollte, aber erst ab 6.Mai 1920 schrittweise realisiert wurde, stellte sich das Personal von Bf und Bw Ebernburg im Mai 1920 dem Fotographen. Auch zwei Frauen war mit "an Bord", sie waren aber -was man nicht vermuten würde- keine Reinigungskräfte, sondern Frau Wollner und Frau Collet gehörten zum Büroteam des Bw.

Bild

Nicht jedem bayerischen Beamten gefiel der Wechsel in die Reichsbeamtenschaft.
Die Bayern waren stolz und dienten gerne ihrem König bzw. Prinzregenten und ihrem Land, so waren sie ja auch aufgewachsen.

Schon zu Zeiten der Monarchie gab es die bayerischen Vorbehalte gegen das von Preußen dominierte Kaiserreich und auch nach 1920 waren die Unterschiede zwischen den bayerischen und preußischen Bahnbeamten einschließlich vieler Animositäten noch spürbar.
Die sprichwörtliche Reichsbahnfamilie wuchs erst in den 1930er Jahren zusammen

Das Bw Ebernburg mit seinem vierständigen Lokschuppen bestand ebenfalls bis in die 1930er Jahre.
Die hier beheimateten Loks wurden aber zwecks Zugbildung meist zum Bf Bad Münster gefahren, denn hier zweigte die Alsenzbahn von der Nahebahn ab.
Nur der eine oder andere Ng startete unmittelbar in Ebernburg Richtung Hochspeyer/Kaiserslautern.
Zuletzt geändert von Horst Heinrich am Mi 22. Jan 2020, 12:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Onkel Hennes Bilderalbum

Beitragvon Horst Heinrich » Mi 22. Jan 2020, 11:57

Der Bahnhof Bad Kreuznach

Nach Fertigstellung der Nahebahn von Bingerbrück nach Saarbrücken 1860 wurde auch der Bahnhof Bad Kreuznach am "Brückes" in Betrieb genommen.
Er befand sich am östlichen Rand der damaligen Kernstadt.

Ab 1880 verlagerte sich das Stadtgeschehen weiter nach Süden, rund um die Kreuzkirche und um das Kurviertel enstand gewissermaßen ein neues Stadtzentrum.
Als hier die 1902 eröffnete Strecke aus Gau-Algesheim ankam, wurde am Kreuzungspunkt der Nahebahn mit der neuen Strecke ein neuer Hauptbahnhof gebaut, der 1907 eröffnet wurde und heute noch besteht.

Der alte Kreuznacher Bahnhof verlor an Bedeutung und schon in den 1960er Jahren wurde der Haltepunkt aufgegeben.
Später war hier die Kreuznacher Güterabfertigung untergebracht, die es seit den 1990er Jahren auch nicht mehr gibt.
Das Bahnhofsgebäude ist heute an Leute vermietet, die sozial am Rande der Gesellschaft stehen, was man Bahnhof und Umfeld auch ansieht.

Das Bild von 1880 dokumentiert die besseren Zeiten des architektonisch interessanten Gebäudes.

Bild
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Re: Onkel Hennes Bilderalbum

Beitragvon Horst Heinrich » Mi 22. Jan 2020, 12:13

Der Bahnhof Gau-Algesheim

Schon 1858 mit der Eröffnung der linken Rheinstrecke erhielt meine Heimatstadt Gau-Algesheim einen Bahnhof.

Ab 1900 wurde er parallel zum Bau der abzweigenden Verbindung nach Bad Kreuznach umfangreich erweitert.
Die zweigleisige Verbindung nach Bad Kreuznach wurde 1902 eröffnet.

Nun besaß er neben großzügigen Warteräumen auch eine Bahnhofsgaststätte und Bahnhofstoiletten.
Bis 1973 sah das Gebäude so aus, wie auf diesem Bild aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts.
Dann wurde das ganze bis auf das Erdgeschoß abgetragen, Gaststätte und Toiletten verschwanden und auch die meisten Warteräume.

Als das Bild entstand und selbst noch in den 1970er Jahren war der Bahnhof Lebensraum, wozu auch die Gaststätte gehörte, in der sich viele alte Eisenbahner zum Schoppentrinken trafen und wo ich als aufmerksamer Zuhörer ein gern gesehender Tischgeselle war.

Heute hat der Bahnhof diese Funktion des Lebensraumes verloren, seine Bahnsteige sind Zwangstreffpunkt einer genervten und gehetzten Notgemeinschaft, die nur ein Ziel hat:
"Wann kommt endlich der Zug? Bloß weg hier!"

Bild
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Re: Onkel Hennes Bilderalbum

Beitragvon Horst Heinrich » Mi 5. Feb 2020, 22:41

Die BD Mainz
Daß unser Onkel Hennes hier mal "landen" würde, und das noch im Range eines Oberrates, war ihm gewiß nicht bewußt, er hat sich immer im Betriebsdienst, in der Arbeit vor Ort wohlgefühlt.

Aber 1963 war es soweit.
Nach dem Aufstieg in den höheren Dienst wechselte er in einen entsprechenden Dienstposten bei der BD in die Abteilung II und hier in den Bereich "Betrieb" und bearbeitete zunächst direktionsweit Bahnübergangsunfälle.
Eine schaurige Angelegenheit, wie er zu berichten wußte, denn es waren oft Personenschäden zu beklagen und daher bedeuteten diese Unfälle auch Einsätze außerhalb der regulären Arbeitszeit.
Dann wurde er durch einen Chauffeur teils auch nachts zuhause mit einem VW 1600 abgeholt, der das Kennzeichen DB 50-15 trug, das weiß ich noch, weil es hierzu auch ein Bild gab.
Das war eine Profession, die er ideal ausfüllte als gelernter Betriebsbeamter und Lokführer.
Seine unbestechlich wahrheitsgetreuen Ermittlungen waren bei allen Gerichten im Direktionsbereich, aber auch und gerade beim Lokpersonal geschätzt, denn in den 1960er und 1970er Jahren war schon eine Tendenz zu erkennen, die Schuld hauptsächlich bei dem antiquierten Verkehrsmittel Bahn zu suchen, das dem Straßenverkehr im Wege stand.
Und so mancher Lokführer bangte um seine Reputation.

Direktionspräsident war Theodor Acker, den ich als Kind noch bei seinen Besuchen bei Onkel Hennes kennengelernt habe.

Dann kam es Anfang der 1970er Jahre zur Bildung der ZTL als Zusammenlegung der Oberbetriebsleitungen Süd und West, hier wurde Onkel Hennes auch schließlich pensioniert.

Das Bild zeigt den Vorgängerbau der späteren BD.

Bild
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Re: Onkel Hennes Bilderalbum

Beitragvon Horst Heinrich » Do 5. Mär 2020, 23:40

Ausflug mit dem Reichsbahnomnibus nach Bacharach

Schon in den 1920er Jahren entdeckte die Bahn den Omnibus als flexibles Verkehrsmittel abseits der Schienenstrecken.
Mit seiner jungen Braut Alice, der Schwester meiner Oma unternahm der frischgebackene Reichsbahninspektor Johann Färber 1930 einen Ausflug nach Bacharach.
Stolz schlenderte das Paar durch die Gassen der alten Weinstadt, schließlich war Onkel Hennes eine aussichtsreiche Zukunft in einem der angesehensten Unternehmen der damaligen Zeit beschieden - hier hat Dirk recht. Eisenbahner zu sein - das war gerade in den 1930er Jahren ein Beruf, der einen stolz und zufrieden machte.
Hinter dem Omnibus aus dem Hause Daimler-Benz versucht man gerade, einen Hanomag-Kleinwagen 2/10, genannt Kommißbrot flottzumachen.

Bild

Die Szenerie spielt vor dem "Alten Haus" in Bacharach. Es stammt aus dem Jahre 1586.
Der Denkmalschutz schreibt hierzu:
Das "Alte Haus" von Bacharach ist ein einzigartiges, stadtbildprägendes Denkmal. Während die Mehrzahl der alten Bürgerbauten des Ortes durch eine Reihe schwerer Stadtbrände vernichtet wurde, bewahrte das "Alte Haus" seinen reichen Charakter rheinischen Fachwerks.
Das Alte Haus ist eines der bekanntesten mittelalterlichen Fachwerkhäuser am Rhein. Von vielen Rheindichtern besungen, wurde es auch in einigen Filmen Ort der Handlung. Robert Stolz hat 1932 eine Operette mit dem Titel "Wenn die kleinen Veilchen blühen" komponiert. Schauplatz dieser Operette ist sein Stammlokal, das Alte Haus.


Hier geht es auf der alten Reichsstraße 9 weiter nach Oberwesel

Bild

Ein "Nachschuß" auf den Rheingoldzug in Bacharach vor der Kulisse es alten Hafengeländes.
Noch führt die Reichsstraße 9 (die spätere B 9) durch den Ort und hier unten ist Platz zum Flanieren.

Bild
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V 100

Beitragvon Horst Heinrich » Di 26. Mai 2020, 14:09

Für V 100-Fans
(ich bin ja selbst einer...)

Onkel Hennes war ein großer Fan der V 100.

Er fand den Führerstand sehr gelungen, da man von hier aus immer einen guten Rundum-Blick hatte, auch nach hinten heraus.
Als sehr komfortabel sah er auch die übersichtlichen Bedienelemente an.

Als Sachbearbeiter u.a. für Bahnunfälle hatte er natürlich auch wichtige Unterlagen der im Bezirk der BD Mainz eingesetzten Loks in seinem Archiv.

Die V 100 hatte hier in Mainz Güterzug-, aber auch Personenzugleistungen und zwar vor Personen, aber auch Eilzügen abzuarbeiten.

Vom Hbf Mainz kamen V-100-Lokomotiven des Bw Mainz sogar bis Zweibrücken, etwa mit dem Eilzug, der nach seinem Initiator, dem Landtagsabgeordneten Oskar Munzinger "Munzinger-Expreß" genannt wurde und einen atemberaubenden Laufweg hatte: Mainz-Gau Algesheim-Bad Kreuznach - Staudernheim-Meisenheim-Lauterecken-Altenglan-Glan Münchweiler-Homburg-Zweibrücken.

Hier habe ich für V 100-Fans mal ein technisches Merkblatt.

Bild
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Re: Onkel Hennes Bilderalbum

Beitragvon Horst Heinrich » Di 26. Mai 2020, 14:41

Die ersten VT 95 in der BD Mainz

1951 wurde ein erster VT-Prototyp in Rheinhessen und der Pfalz zur Erprobung eingesetzt.
Überhaupt durchliefen die Uerdinger Verbrennungstriebwagen zahlreiche Konstruktionsvarianten, bis das bis heute noch bekannte Schienenbusmodell VT 95 und VT 98 in eine Großserienfertigung mündete.

Dieser VT 95 311 mit seinem Beiwagen VB 141 703 hatte einen nur 4,5 Meter großen Achsabstand.

Bild

Für das recht flache Gebiet von Rheinhessen und der Pfalz waren die rund 10-12 Tonnen schweren und mit einem Büssing U 10 - Motor (150 PS)ausgestatteten Triebwagen ausreichend, die anvisierte Hg von 97 km/konnte erreicht werden, auf den Nebenbahnen jedoch waren kaum mehr als 50 km/h zugelassen.

Ein weiterer Gesichtspunkt für die Beschaffung eines leichten Triebwagens war der teils hoffnungslos marode Oberbau vieler Nebenstrecken der Region, der teilweise noch aus der Erbauungszeit der Strecken stammte. Die Schienen waren meist nur gelascht, nicht verschweißt, jede Zugfahrt etwa mit der 65 Tonnen schweren BR 74 und einem dreiteiligen Wagenzug fügte den Gleisanlagen immer wieder Schäden zu.
Größere Umbau- und Ertüchtigungsmaßnahmen wollte man sich sparen, ein kompakter VT sollte die Lebensdauer bis zur anvisierten Stillegung noch etwas verlängern.

So fungierten in Rheinhessen und in der Pfalz die VT vorwiegend als Ersatz für die Baureihen 56 und 74 auf Nebenstrecken.

Damals öffnete man für die nun nicht mehr benötigten Heizer die Laufbahn "Triebwagenführer" mit dem Kennbuchstaben (V) für Verbrennungstriebfahrzeuge.
Eingangsamt war mit der Besoldungsgruppe A 4 der "Triebwagenführer", als Beförderungsamt konnte der "Obertriebwagenführer" (A 5) angestrebt werden.

Hier fanden viele tausend Lokomotivheizer eine neue sinngebende Beschäftigung und das meist auf Strecken, auf denen sie sowieso jeden Schotterstein kannten.

Auch der Aufstieg in die Lokomotivführerlaufbahn war theoretisch möglich, hierzu war dann aber eine vorangegangene fünfjährige Beschäftigung im Triebwagenfahrdienst nachzuweisen.

Man sieht an dem Prototyp auch: Es fehlt das Spitzensignal - es wurde erst 1957 verbindlich vorgeschrieben.

1951 gehörte Onkel Hennes zum Team des damaligen Zugförderungsdezernenten der BD Mainz, Bundesbahndirektor Adolf Dormann. Das Bild entstand wohl auf einer Dienstreise nach Uerdingen.
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Re: Onkel Hennes Bilderalbum

Beitragvon Grauwacke » Mi 27. Mai 2020, 12:33

Hallo Horst,

ein ganz großartiger Bilderbogen von Deinem Onkel ist das. Dabei hätte ich mal eine Frage: Ich glaube Du zeigtest im Nachbarforum auch einmal Bilder von diesem Werk in der Nähe von Bingen zur Herstellung und Imprägnierung von Schwellen und Telefonmasten. Könntest Du die hier auch noch einmal zeigen oder vielleicht sogar noch etwas mehr dazu? Vielen Dank schonmal dafür.

Herzliche Grüße, Dirk
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Re: Onkel Hennes Bilderalbum

Beitragvon Horst Heinrich » Mi 27. Mai 2020, 18:37

Grauwacke hat geschrieben:Hallo Horst,

ein ganz großartiger Bilderbogen von Deinem Onkel ist das. Dabei hätte ich mal eine Frage: Ich glaube Du zeigtest im Nachbarforum auch einmal Bilder von diesem Werk in der Nähe von Bingen zur Herstellung und Imprägnierung von Schwellen und Telefonmasten. Könntest Du die hier auch noch einmal zeigen oder vielleicht sogar noch etwas mehr dazu? Vielen Dank schonmal dafür.

Herzliche Grüße, Dirk


Hallo Dirk, Du meinst das Imprägnierwerk Richtberg, einer der größten Hersteller von Buchenholzschwellen in Deutschland.

Es bestand bis 1989 und hatte einen direkten Gleisanschluß an die an Gaulsheim vorbeiführende Strecke Bingen-Alzey-Worms.
Der Anschluß wurde mehrmals wöchentlich von Bingen aus bedient.

Hier zeige ich mal den 1978 aufgelassenen Bahnhof Gaulsheim. Hier tat ein Fdl Dienst (mechanisches Stellwerk), bis der Abschnitt als Selbstblock dem SpDrL-Stellwerk im Bf Gau-Algesheim zugeordnet wurde.
1979 wurde das EG abgerissen und das Grundstück an die Firma AMC als Parkplatz verkauft.

Bild

In dieser Zeit hatte Gaulsheim noch drei Schrankenwärter (Posten 14, 15 und 16) sowie die Bk Wasserwerk, die ich hier im Forum auch schon gezeigt habe.

Im Werksgelände von Richtberg gab es einige Werkslokomotiven.
Zum Beispiel dieses Exemplar (Aufnahme von 1982, Foto: Bernhard König):

Bild

Hier ist das Gelände von Richtberg kurz nach der Werksschließung auf einem Luftbild zu sehen (Foto: Joachim Sbrisny).

Bild

Diese interessante Aufnahme vom April 1945 zeigt die einen Monat zuvor von der Wehrmacht gesprengte Hindenburgrücke bei Bingen und hinten links oben das Schwellenerk Richtberg.

Die Fahrrinne des Rheines ist noch durch abgestürzte Brückenteile blockiert.

In der Mitte die eingleisige Strecke Bingen-Alzey-Worms mit dem Richtberg-Anschluß.
Im Verlauf der Hindenburgbrückenstrecke zweigt nach links die Strecke nach Ockenheim zur Strecke Mainz-Bad Kreuznach ab, rechts geht es nach Münster-Sarmsheim zur Strecke Bingerbrück - Bad Kreuznach.

Bild

Zu Richtberg, seiner Firmengeschichte, die Bedeutung des Unternehmens auf dem Oberbausektor und dem sehr unrühmlichen "Abgang" aus Bingen gerne demnächst mehr.
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