[CH] Graubünden 6




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Beitragvon Heiner Neumann » Mi 9. Sep 2020, 18:38

Der nächste Tag war für unsere Reisegruppe zur freien Verfügung. Wir wollten jetzt mal die Vorteile der Davos-Klosters-Gästekarte nutzen. Unter anderem hatte man freie Fahrt im gesamten Orts- und Nahverkehr zwischen Klosters und Filisur. Nun wollte wir mal mit dem Nostalgiezug der RhB nach Filisur und zurück fahren, der zwischen Mai und Oktober täglich zweimal diese Tour fährt. Abfahrt in Davos-Platz 10:18 Uhr und 15:18 Uhr, Fahrtzeit eine knappe halbe Stunde, und 10 Minuten später nach Umsetzen der Lok in Filisur wieder zurück.

Im Bahnhof Davos-Platz stand einer der neuen "Capricorn"-Triebzüge der Reihe ABe 4/16, der im Rahmen der Personalschulungsfahrten gerade aus Filisur eingetroffen war.

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Von der anderen Seite des Bahnsteiges entdeckten wir dann hinter dem "Capricorn" den Nostalgiezug der RhB.

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Bis auf die zwei Aussichtswagen mit Baujahr 1990 sind die anderen Waggons wirklich historische Stücke aus den Baujahren 1889, 1903, 1913 und 1932. Das Rhätische Krokodil Ge 6/6 I Nr. 414, das in der Regel zum Einsatz kommt ist Baujahr 1929.

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Das Krokodil rangierte den Zug aus dem Bw-Bereich rückwärts heraus und dann vorwärts an den Bahnsteig.

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Von dieser Lok existieren noch sechs Exemplare, davon 4 als nicht betriebsfähige Ausstellungsstücke in verschiedenen Museen, betriebsfähig sind noch zwei, die Nrn. 414 und 415, die wir hiermit beide vor die Linse bekommen haben.

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Dann widmen wir uns mal dem -äußerst- gepflegten Interieur der historischen Waggons. Fangen wir an mit der Holzklasse.

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Und dann kommt die 1. Klasse! Abteilwagen mit Seitengang.

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Inklusive der Polsterbezüge ist alles im Originalzustand wieder hergerichtet worden.

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Die Hinfahrt nach Filisur absolvierte ich in der Holzklasse. Hier überqueren wir den Wiesener Viadukt, man sieht den Zug im Schattenbild.

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Anschließend wird der Cavja-Viadukt überquert.

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Kurz vor Filisur gab es noch einen guten Blick auf den Landwasser-Viadukt, diesmal von der Rückseite.

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Vor allen Sehenswürdigkeiten unterwegs gab es eine kurze Durchsage im Zug und die Geschwindigkeit wurde auf Schrittgeschwindigkeit verringert, so daß alle Fahrgäste genügend Gelegenheit hatten, Fotos zu machen. Die Zugbegleiterin war im letzten Wagen und gab dem Tf über Funk Bescheid, wenn der letzte Wagen den Fotopunkt passiert hatte.

Ankunft in Filisur. Umsetzen der Lok.

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Die Rückfahrt nach Davos erfolgte dann im offenen Aussichtswagen, auch "Schienencabrio" genannt. Die kommt dann in Teil 7.

Gruß

Heiner
Zuletzt geändert von Heiner Neumann am Do 10. Sep 2020, 19:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: [CH] Graubünden 6

Beitragvon Horst Heinrich » Mi 9. Sep 2020, 19:37

Warum hat unsere Deutsche Bundesbahn nach 1970, dem Zeitpunkt der sukzessiven Zerstörung sehr sehr viel erhaltener Fahrzeuge nicht einen Geschäftsbereich "Historische Bahn" gegründet und wir hätten heute auf allen Strecken eingeflochtene Leistungen mit klassischem Lok- und Wagenmaterial?
Und sage keiner, das hätte damals keine Nachfrage gehabt, die Bilder von Sonderfahrten sprechen eine andere Sprache.

Das ganze wäre eine never ending Erfolgsstory geworden, etwa wenn der Regionalexpreß RE 25 (4286) Limburg ab 14.08 Uhr nach Mayen im Sommer mit der BR 86 und 3y-Wagen bespannt würde...

Diese Versager in Nadelstreifen in den Chefetagen der Bahn haben aber auch gar keine betriebswirtschaftliche Innovationskompetenz, man sieht doch bei dem von Heiner gezeigten Beispiel, welches Potential hier verborgen ist.
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Re: [CH] Graubünden 6

Beitragvon eifelhero » Mi 9. Sep 2020, 20:10

Heiner,
vielen Dank für deine Helvetien Bilder! :)
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Re: [CH] Graubünden 6

Beitragvon Heiner Neumann » Mi 9. Sep 2020, 20:16

@ Horst:
Diese Versager in Nadelstreifen in den Chefetagen der Bahn haben aber auch gar keine betriebswirtschaftliche Innovationskompetenz

Diesen Typen fehlt das Bewußtsein für die historische Bedeutung solcher Fahrzeuge. In Graubünden spricht man im Zusammenhang mit dem Nostalgiezug von der "Bündner Bahnkultur". Dazu habe ich in der kostenlosen Auslage beim Bahnhof Davos-Platz ein Heft gefunden mit dem Titel "Die Bündner Kulturbahn", 17 Jahrgang 2020, ein wirklich lesenswertes Heft. Das Heft erscheint einmal jährlich.

Im Vorwort wird dazu erwähnt, daß die RhB neben Glacier- und Bernina-Express, ihrem Güterverkehr und der Autoverladung auch sogenannte "Nischenprodukte" habe, auch, wenn dies vielleicht als "unbedeutendes Produkt" verstanden werden könnte. Eine solche "Nische" ist für die RhB die Bahnkultur. Hierzu zitiere ich auszugsweise den Direktor der RhB, Dr. Renato Fasciati:
"Eine solche Nische ist für uns die Bahnkultur und damit unter anderem auch unsere historischen Fahrzeuge. Die Bahnkultur hilft uns, uns gezielt faszinierend anders zu positionierenund gleichzeitig unser UNESCO Welterbe zu stärken. Diesbezüglich konnten wir 2019 einen wichtigen Meilenstein erreichen, indem wir in Zusammenarbeit mit verschiedenen Ämtern und auch mit Einbezug bahnhistorischer Clubs und Vereinen die Strategie Bahnkultur erarbeiteten. Diese Strategie wird uns helfen, die "Bahnkultur" künftig gezielt weiterzuentwickeln und nachhaltig zu finanzieren. Doch eine Strategie ist schlussendlich nur ein bedeutungsloses Blatt Papier, wenn sie nicht konsequent und mit Leidenschaft umgesetzt wird.Und genau diese Leidenschaft spüre ich bei der Bahnkultur wie kaum sonst wo." Zitat Ende.

Die Vorstellung der Bahnkultur bei der RhB ist geprägt von der persönlichen Faszination für historische Fahrzeuge und der interessanten Geschichte der RhB. Nach Ansicht der RhB entsteht der beste Schutz der Bahnkultur durch sinnvolle Nutzung und das Bewußtsein der Vergänglichkeit des Erbes.

Und genau das fehlt in den Chefetagen der Deutschen Bahn!

Sollte Interesse an dem Heft bestehen, so leihe ich es gerne mal aus, man kann es aber auch direkt bei der RhB bestellen für 10,- € im Kuvert bei

historic RhB
Postfach 555
CH-7001Chur

Gruß

Heiner
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Re: [CH] Graubünden 6

Beitragvon Horst Heinrich » Mi 9. Sep 2020, 22:53

Herzlichen Dank Heiner für diesen Impuls.

Diese beiden Sätze möchte ich aufgreifen:

Doch eine Strategie ist schlussendlich nur ein bedeutungsloses Blatt Papier, wenn sie nicht konsequent und mit Leidenschaft umgesetzt wird.Und genau diese Leidenschaft spüre ich bei der Bahnkultur wie kaum sonst wo

Das ist es, eine Leidenschaft für Beruf und Profession, sie fehlt in den Chefetagen der Bahn, hier könnte man heute Bahndienstleistungen, morgen Kondome verkaufen.
Die Bahn besitzende Gesellschaft darf sich das nicht gefallen lassen.
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