Ein Besuch bei der künftigen Nationalparkbahn Hunsrück




Alles, was sich so in jüngster Vergangenheit ereignet hat oder sich ereignen wird

Ein Besuch bei der künftigen Nationalparkbahn Hunsrück

Beitragvon Horst Heinrich » So 3. Mai 2020, 22:47

Nachdem die Hunsrückquerbahn zwischen Hermeskeil und Türkismühle abgebaut, zwischen Thalfang und Deuselbach durch Gleisdiebstähle unterbrochen und zwischen Morbach und Deuselbach völlig zugewachsen bzw. durch einen völlig aufgeweichten Oberbau und schadhafte Kunstbauten (Hoxeler, Geisfelder, Deuselbacher Viadukt) bzw. eine baufällige Straßenunterführung (Ortslage Hoxel)unbenutzbar ist, sich aber hier im Hunsrück eine Interessengemeinschaft Nationalparkbahn vorgestellt hat, die zwischen Morbach und Deuselbach eine Touristikbahn (vorzugsweise unter Dampf mit einer 50er) betreiben möchte, habe ich mir die Strecke einmal angeschaut.

Ziel war, neben einer Bestandsaufnahme eine ungefähre Ahnung zu erlangen, wann in etwa mit dem ersten Zug zu rechnen ist.
Das ist dabei herausgekommen:

Der Bahnhof Hermeskeil.
Ein ausgeschlachteter VT 98 zwischen aufgeschossenen Pioniergehölzen

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Das Dampflokmuseum Falz in Hermeskeil unmittelbar an der Strecke - coronabedingt geschlossen und wohl auch künftig ohne Zukunft. Schade. Die Vision des Eigentümers, der noch mit über 50 vor rund 25 Jahren die Lokführerausbildung mit Erfolg absolviert hat und mit zwei Ludmillas jahrelang gutes Geld verdient hat ist ohne Nachfolge.

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Hier kurz vor der Hermeskeiler "Abtei" liefen früher die Strecken nach Trier (links), heute Radweg und rechts in den Hunsrück noch ein paar Kilometer parallel

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Das Geisfelder Viadukt - kühn und imposant.
Hier oben blieb man gerne mit einem Skl im Bauzugdienst (2009) einmal stehen - betriebsbedingt.
Auch der baufachliche Laie erkennt hier eine grundsolide Ausführung, die -bei guter Pflege- sicher noch einmal die Hälfte der bisherigen Nutzungszeit (die Brücke wurde 1903 fertiggestellt) versprechen würde. Doch die letzte bituminöse Abdichtung der Betonschale von oben liegt 40 Jahre zurück, an den Stützen "blüht" Salpeter "aus". Für eine gründliche Untersuchung müßte das Viadukt eingerüstet, mit einem Steiger befahren oder mit einer Gondel von oben her beschaut werden. Wir reden hier von Kosten von 30.000 Euro aufwärts.
Brutal ist auch die Vegetation in den Fugen, man glaubt nicht, was Pioniergehölze wie etwa Birken hier in nur wenigen Jahren zu "leisten" vermögen.


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Der Hp Geisfeld.
Seit 40 Jahren wird er von der Gemeinde gepflegt, der aktuelle Gemeindearbeiter fuhr von hier aus noch 1976 mit dem VT 98 zur Berufsschule nach Hermeskeil: "Irjendwann fährt do aachemol widder en Zuuch, wolle mer'et hoffe!"

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Dhronecken
Hier gab es bis in die 2000er Jahre eine funktionierene BÜ-Lo-Anlage, der Unübersichtlichkeit der Strecke wegen.
Am linken Bildrand die Reste der HET.
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Das perfekt restaurierte EG wird heute von der Enkelin des letzten Bahnhofsvorstehers Johann Paulus bewohnt.
https://pias-bahnhof.de/

Zwischen Deuselbach und dem Hoxeler Viadukt.
Hier fährt bald die Nationalparkbahn mit einer leibhaftigen 50er.

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Am Sportplatz Morscheid-Riedenburg, hier werden seit Jahrzehnten die Abwässer des nahegelegenen Steinbruches über die Strecke entsorgt - die Vegetation dankt es der Bahn, wie man sieht.

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Kurz hinter dem Bf Morbach wurde versucht, die Strecke Richtung Bischofsdhron/Büchenbeuren mit einem kleinen Bagger freizuschneiden. Das Lichtraumprofil allerdings reicht nicht für regulären Bahnbetrieb.

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Im Wald zwischen Horbruch und Hirschfeld konnte das Profil, das 2009 professionell freigeschnitten wurde, noch mitbenutzt werden. Freilich - die Streckenpacht der IG Nationalparkbahn geht nur bis Hinzerath, was bedeutet die Freischneideaktion also über Hinzerath hinaus Richtung Simmern?

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Der BÜ von Wahlenau Blickrichtung Bf Hirschfeld. Was passiert hier, fragen die Bürger?
Von Simmern kann kein Zug kommen, umgestürzte Bäume blockieren die Strecke.
Von Türkismühle kann kein Zug kommen, die Strecke ist bis Hermeskeil abgebaut.
Reden wir hier von der bekannten Spielzeug-Insel-Eisenbahn?
Mit welchem Verkehr dürfen wir hier rechnen?

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Wahlenau hatte zwar nie einen Hp, aber 2009 errichteten die Bürger einen und bis 2013 hielten hier auch Touristik-Züge der Hochwaldbahn. Das Gelände wird von der Gemeinde immer noch gepflegt ähnlich Geisfeld.

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Die IG Nationalparkbahn hat sich, wie auf ihren Verlautbarungen zu lesen ist, ehrgeizige Ziele gesetzt. Sie möchte, zumindest zwischen Morbach und Deuselbach einen Touristikbahn-Betrieb aufnehmen. Der bautechnisch sehr anspruchsvolle Abschnitt ist bisher in keinster Weise für einen Bahnbetrieb geeignet. Es stehen keine Fahrzeuge zur Verfügung. Unter einem Zelt am Bf Morbach werkeln ein paar Unentwegte an stillgelegten Bahnfahrzeugen herum, in zwei umgebauten 3y-Wagen fabuliert man wöchentlich bei ein paar Bier von einem erfolgreichen Bahnverkehr.

Zur Erinnerung:
Von 2009 bis 2013 konnte mithilfe einer starken Truppe von 8-15 Aktiven und mit Unterstützung eines erfolgreichen, lizensierten Bahnunternehmens, das unentgeltlich Skl oder TVT zur Streckenunterhaltung und mehrere VT für öffentliche Fahrten zur Verfügung gestellt hatte, zwischen Türkismühle und Büchenbeuren Bahnbetrieb aufgenommen und realisiert werden.

Dieses Ziel hätte auch 2020 erreicht werden können.
Stattdessen haben "Eisenbahnfreunde" die Gesamtstrecke aufgegeben, um auf einem kleinen Teilabschnitt ihren Kindheitstraum von "Jim Knopf und Lukas" zu realisieren. Die Chance dieses Unterfangens mag etwas deutlicher werden durch diesen Bildbericht.

Nachtrag
Das zuvor abgebildete Geisfelder Viadukt ist kleiner als das berühmte Hoxeler Viadukt.
Ich habe mich bei einem vereidigten, sachverständigen Bauwerksprüfer einmal erkundigt, was eine Überprüfung eines solchen Objektes zwecks Aufnahme eines Schienenverkehrs (22 Jahre nach Stillegung durch die DB) kosten würde. Wir waren da sogleich in einem hohen, fünfstelligen Bereich, wie gesagt, für ein Bauwerk dieser Größenordnung (drei Steinbögen).
Zuletzt geändert von Horst Heinrich am Mo 4. Mai 2020, 18:50, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Ein Besuch bei der künftigen Nationalparkbahn Hunsrück

Beitragvon Horst Heinrich » Mo 4. Mai 2020, 18:11

Ein "Nachschuß".

Die nächste Station nach Morbach:
Der Bf Hinzerath. (hinten rechts im Bild).
Im Gebäude tat bis 1976 ein Beamter Dienst, dessen einzige Aufgabe darin bestand, montags bis freitags von 8.10 bis 16.10 Uhr und samstags von 8.10 bis 14.10 Uhr für drei Reise- und zwei Güterzüge täglich sowie eine gelegentliche Skl-Fahrt der Bm die Schranke zu bedienen.
Die Zugpausen waren bisweilen drei Stunden, man kann nur ahnen, wie ein solcher Arbeitsplatz auf die Menschen wirkte, gerade auch mit einem Interieur aus den 1940er Jahren.

Später wurde die Schranke in eine Bedienung am Schrankenbaum umgebaut, 2017 wurden die Schrankenbäume vollends abgesägt.

Bis in die frühen 2000er Jahre gab es in Hinzerath einen beachtlichen Güterverkehr von und zum Sägewerk Mettler, das über das rechte Gleis angeschlossen war. Im Hintergrund ist noch der Laufkran des Werkes zu erkennen.
Tagesfrachten von bis zu 800 Tonnen waren keine Seltenheit.
Die veränderte Waldstruktur nach den Orkanen Wiebke, Lothar und Kyrill bescherte dem Nadelholzsägewerk Mettler dann Ende der 2000er Jahre das Aus und damit auch dem Bahnverkehr.

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Der ehemalige Militärverladebahnhof Zolleiche zwischen den Bahnhöfen Hochscheid und Hinzerath.
Bis in die 1990er Jahre verlud die NATO hier so ziemlich alles von A wie Atomwaffen bis Z wie Zahnpflegeprodukte.

Jetzt nutzt das benachbarte Sägewerk Karl Decker das Gelände als Lagerfläche für "Käferholz".
Die Folienverpackung ist ein Versuch, die Borkenkäfer daran zu hindern, aus dem gefällten Holz in die Umgebung zu gelangen.
Es ist ein elender Kampf gegen diese Viecher!

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Der Bahnhof Büchenbeuren.
Hier beginnt der noch offiziell in Betrieb befindliche DB-Streckenabschnitt (Hg 10 km/h).
Das rechte Gleis ist das Hauptgleis, das linke das Überholgleis, hier zweigt die "Bahn zum Hahn" ab, nach den Versprechungen von fünf rheinland-pfälzischen Verkehrsministern seit 1993 sollten hier schon RB's im Stundentakt nach Langenlonsheim/Mainz rollen.
Das hat schon vor 27 Jahren niemand wirklich geglaubt.

Wenigstens hat die DB ihre "Hausaufgaben" gemacht und mit dem alljährlichen Freischnitt hinunter an die Nahe die Befahrbarkeit gewährleistet. Freilich, ein paar Bäume zwischen Büchenbeuren und Simmern sind inzwischen schon wieder aufs Gleis gefallen.

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Re: Ein Besuch bei der künftigen Nationalparkbahn Hunsrück

Beitragvon Horst Heinrich » Do 14. Mai 2020, 11:42

Morbach am 12.05.2020
In den ehemaligen Bauzugwagen haben die Aktiven der Nationalparkbahn ihren Stützpunkt.

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Das Führerhaus der 50er, die die Züge der Touristik-Nationalparkbahn von Morbach nach Deuselbach ziehen soll unter einer Plane.
Der gelbe "Kasten" ist eine transportable Rottenbude, die die DB am Hoxeler Tunnel aufgestellt hatte. In diesem Streckenabschnitt gab es stets viel zu tun, im Winter Schneeräumung, in Frühjahr und Herbst Windbruch, Wassereinbrüche in die Stützmauern und andere "Kalamitäten". Viele Jahre stand die Bude halb verfallen an der Strecke, jetzt soll sie restauriert werden.

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Das EG von Morbach, das die Firma Decker (Sägewerk und Holzprodukte) bereits in den 1980er Jahren von der DB erworben hat. Das Obergeschoß ist an Arbeiter des Unternehmens vermietet.
Insgesamt ist das Gebäude in einem schlechten Zustand.

Rund um den Bahnhof hat die DB in den letzten drei Jahren alles alles "plattgemacht", was augenblicklich entbehrlich schien, etwa die Bahnsteigschilder, die Schrankenbäume.
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