Aktuelles von der Hunsrückbahn




Alles, was sich so in jüngster Vergangenheit ereignet hat oder sich ereignen wird

Aktuelles von der Hunsrückbahn

Beitragvon Horst Heinrich » Mo 6. Jul 2020, 22:23

Bericht in der Rhein-Zeitung heute:


Güterzüge sollen ab Dezember im Hunsrück rollen:
Schienenverkehr zwischen Langenlonsheim und Morbach wird konkret
Nachdem es (mal wieder) für einen längeren Zeitraum ruhig war um die Reaktivierung der
Hunsrückquerbahn zwischen Langenlonsheim und Morbach, kommt Bewegung in die Diskussion. Aber anders als erwartet.
Thomas Torkler 06.07.2020

Es geht nämlich nicht um Personenverkehr auf der Strecke, für deren Reaktivierung das
Planfeststellungsverfahren seit sechs Jahren läuft. Die Schweizer WRS Widmer Rail Service AG will ab
Dezember Güterzüge über den Hunsrück schicken. Das Unternehmen hat eine Niederlassung in
Karlsruhe, beschäftigt rund 100 Angestellte und befördert insgesamt rund 1500 Güterzüge zwischen
der Schweiz und Deutschland sowie noch einmal rund 600 Züge in den beiden Ländern selbst.
In einem Schreiben an den Landesbetrieb Mobilität (LBM), das der RHZ vorliegt, informiert die WRS
das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, namentlich die Staatssekretäre
Daniela Schmitt und Andy Becht, sowie die Landtagsabgeordnete Jutta Blatzheim-Roegler (Grüne), die
Landräte Gregor Eibes (Bernkastel-Wittlich) und Günther Schartz (Trier-Saarburg), Kirchbergs VGBürgermeister Harald Rosenbaum und Felix Jakob von der IG Nationalparkbahn über ihr Vorhaben.
Demnach will die WRS Schienengüterverkehr zwischen Langenlonsheim und Büchenbeu-ren sowie
weiter nach Morbach und Hermeskeil betreiben.
Ziel sei, dass dafür der Streckenabschnitt zwischen Langenlonsheim und Büchenbeuren genutzt
werden soll, für den man im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens bereits mehrere Einwendungen
beim Eisenbahnbundesamt in Saarbrücken gemacht habe. Den weiterführenden Abschnitt zwischen
Büchenbeuren und Morbach/Hermeskeil will man von der DB Netz AG pachten. Weiter heißt es in dem
Schreiben, dass das Unternehmen bereits mit potenziellen Frachtkunden Gespräche geführt habe und
zuversichtlich sei, ab Dezember 2020 Güterzüge über die Strecke rollen zu lassen. Mit der IG
Nationalparkbahn, die seit fünf Jahren an einem Pachtvertrag mit der DB Netz AG für den Abschnitt
Hinzerath-Morbach-Thalfang arbeitet, habe man vereinbart, dass die WRS sich um den gesamten
Streckenabschnitt bemühen werde und man sich gegenseitig ergänzen wolle.
Drei Zugpaare täglich geplant
Das Unternehmen hat bei der DB Netz AG Trassen angemeldet. Angedacht sind jeweils drei Zugpaare,
die von Montag bis Freitag verkehren sollen. Interessanterweise findet sich darunter auch eine
Verbindung zwischen Simmern und Mailand-Smistamento, einem großen Bahndrehkreuz der
norditalienischen Metropole. Die anderen Züge verkehren zwischen Morbach und Mannheim sowie
zwischen Bingen und Simmern, alle jeweils hin und zurück.
Vertreter der WRS AG haben sich in Simmern mit Stadtbürgermeister Andreas Nikolay und den beiden
Bürgermeistern der Verbandsgemeinden Simmern-Rheinböllen, Michael Boos, und Kirchberg, Harald
Rosenbaum, getroffen. Alle drei Bürgermeister teilten auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass sie bei
dem Treffen den Eindruck gewonnen hätten, dass das Ansinnen der WRS Widmer Rail AG sehr ernst
zu nehmen sei.
Alexander Neubauer, Niederlassungsleiter der WRS Deutschland GmbH in Karlsruhe, hat auf Anfrage
unserer Zeitung signalisiert, dass aus seiner Sicht die Strecke betriebsbereit durch die DB Netz AG sei
und aktiv. „Somit können wir hier sofort fahren.“ Den ambitionierten Zeitplan, bereits im Dezember
Güterverkehr auf der Strecke anzubieten, hält Neubauer für umsetzbar. Die DB Netz AG habe eine
Betriebspflicht: „Sie müssen jetzt schauen, was sie damit machen“, sagt Neubauer.
Hürden sieht er „maximal bei der Weiterführung ab Büchenbeuren und den Gleisanlagen in Ellern und
Simmern“. Letztere seien aber noch in Klärung und könnten den Start verzögern. Ellern habe einen
Gleisanschluss an einer Ladestraße, die entsprechend auch im Planfeststellungsantrag für
Güterverkehr eingeplant sei, erläutert Neubauer. Der Bahnhof in Ellern böte sich ebenso für das
Verladen von Holz an, wie vor allem auch die Station Zolleiche zwischen Hochscheid und Hinzerath,
wo derzeit riesige Holzlagerstapel lagern. Die Fahrtgeschwindigkeit spiele keine Rolle, sagte
Neubauer.
Dass aber die Züge bei unbeschrankten Bahnübergängen pfeifen müssen, räumt Neubauer ein.
Teilweise würden die nach seiner Auskunft 100 bis 400 Meter langen Güterzüge unmittelbar an
Wohnbebauung entlang rollen. Beispiele dafür gibt es nahezu in allen Ortschaften entlang der Strecke.
Es sollen ausschließlich moderne Waggons mit „leisen“ Bremsanlagen zum Einsatz kommen. „Altes
Material ist nicht mehr zugelassen, das ist für uns maßgeblich“, sagt Neubauer. Sobald die DB Netz
signalisiere, dass die Strecke aus ihrer Sicht befahrbar sei, will WRS loslegen. Personal werde bereits
geschult, sagt Neubauer. Er möchte dazu beitragen, dass die viel geäußerte Absicht, mehr
Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlegen, umgesetzt wird. „Es rollen ja immer mehr
Lkw über den Hunsrück, und jetzt ist sogar bei Argenthal noch eine teure neue Rastanlage im Bau. Die
Leute müssen anfangen, neu zu denken“, fordert Neubauer.
In diese Richtung „neu“ denkt auch Simmerns Stadtbürgermeister. Andreas Nikolay und verweist auf
die bisherigen Bemühungen der Reaktivierung der Bahnstrecke, die im Koalitionsvertrag
festgeschrieben sei. Dafür hat sich Nikolay in der Vergangenheit häufig klar ausgesprochen. Zahlreiche
kommunale Entscheidungsträger haben sich allerdings wegen ihrer Meinung nach mangelnder
Wirtschaftlichkeit gegen eine Wiederaufnahme eines Zugverkehrs durch den Hunsrück
ausgesprochen. Zuletzt hatte die CDU in der Region und im Land wiederholt die Landesregierung
aufgefordert, endlich eine Entscheidung zu treffen, egal ob für oder gegen eine Reaktivierung. Die
Hängepartie mit dem seit sechs Jahren dauernden Planfeststellungsverfahren wurde von der Union
scharf kritisiert.
Diese Kritik seiner Partei greift auch Nikolay auf: „Wir haben leise Personenzüge gefordert, die
niemanden belästigt hätten. Nichts ist passiert! Die Strecke wurde weder stillgelegt noch reaktiviert. Es
gab keine Klarheit! Jetzt sollen Güterzüge kommen. Während der Planungen hieß es immer, dass es
nur leisen Personenverkehr geben soll. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie angesichts der
Klimasituation und der vollkommenen Überlastung unseres Straßennetzes die Landesregierung die
zeitgemäße Reaktivierung der Hunsrückbahn nicht vorangetrieben hat. Nun muss das Land handeln:
Lärmschutz an der Strecke, sichere Bahnübergänge und endlich ein Konzept für die Zukunft. Aber bitte
für Menschen, nicht nur für Waren.
Harald Rosenbaum sagte auf Anfrage unserer Zeitung, dass er das Konzept der WRS AG „schon sehr
beeindruckend“ findet. Er sei nicht gegen die Güterverkehre, aber wenn sie stattfinden sollten, dann
müsse die Strecke so ertüchtigt werden, dass nicht an jedem Bahnübergang Gefahr drohe und die
Züge ständig Signal geben müssten. Der Güterverkehr auf der Strecke sei im
Planfeststellungsverfahren zur Reaktivierung bislang allenfalls ein Aspekt „unter ferner liefen“, wie
Rosenbaum es ausdrückte. Wenn die Deutsche Bahn das Ansinnen der WRS Widmer AG ablehne,
würde die DB schadenersatzpflichtig, denn es handele sich bei der Hunsrückquerbahn um eine
bestehende Strecke, die nicht stillgelegt ist.
Wie zu hören ist, beabsichtigt das Schweizer Bahnunternehmen, in erster Linie Holz über die Strecke
zu transportieren, aber auch Kerosin. Alexander Neubauer, antwortet auf die Nachfrage unserer
Zeitung, was befördert werden soll: „Verschiedene Güter, die benötigt werden können. Holz gehört
dazu, ebenso Zusatzmaterialien für die Holzverarbeitung. Mit dem Flughafen Hahn haben wir Kontakt
aufgenommen und stehen in Gesprächen.“ Laut Auskunft von Andreas Nikolay habe WRS ihm
berichtet, dass man die komplette Kerosinlieferung für den Flughafen Zürich abwickele.
„Die Schweizer wollen auch an der Strecke investieren“, sagt Nikolay. Es sei angedacht, auf dem
Gelände des ehemaligen Lokschuppens in Simmern eine Halle für die Wartung des rollenden Materials
entstehen zu lassen. Das Simmerner Bahngelände hätten die WRS-Vertreter bei ihrem Besuch in
Simmern bereits in Augenschein genommen, berichtet Nikolay.
Bracht fragt die Landesregierung
Die Landesregierung hält sich bislang in der Angelegenheit bedeckt. Der Rheinböllener Abgeordnete
Hans-Josef Bracht (CDU) hat das Schreiben der WRS an den LBM zum Anlass genommen, eine
kleine Anfrage an die Landesregierung zu stellen. Er will wissen, wie die Landesregierung das
Ansinnen der WRS hinsichtlich Ernsthaftigkeit, Realisierungschancen und Realisierungsmöglichkeiten,
auch in Bezug auf den aktuellen Bauzustand der Strecke bewertet. Bracht fragt, welche
Baumaßnahmen an der Strecke notwendig würden, welche Kosten entstünden und wer diese
übernehmen würde.
Wie die Pläne der WRS mit dem laufenden Planfeststellungsverfahren und mit den Zielen der IG
Nationalparkbahn in Einklang zu bringen seien, fragt der Abgeordnete ebenso. Er möchte außerdem
erfahren, wie die Sicherheit der Bürger angesichts der zahlreichen Bahnübergänge gewährleistet werden kann.
Auch die Lärmbelastung für an der Strecke lebende Menschen thematisiert Bracht, der abschließend
fragt: „Welche Auswirkungen hätte eine zeitnahe Reaktivierung der Hunsrückquerbahn für
Güterverkehr auf die Chance der von der Landesregierung nun bereits seit 20 Jahren in Planung
befindlichen und bisher nicht realisierten Reaktivierung der Bahnstrecke für den Personenverkehr?“
Die Gesellschaft im 21.Jahrhundert: Bei vielen nichts anderes als das Fortleben des prähistorischen Menschen unter der dünnen Schale der Zivilisation.
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Re: Aktuelles von der Hunsrückbahn

Beitragvon Horst Heinrich » Di 7. Jul 2020, 19:10

Das ganze liest sich -bei Licht besehen- wie ein ganz großer, verspäteter Aprilscherz.

Die Strecke ab Langenlonsheim kann derzeit nur mit 10 km/h befahren werden, d.h. von Langenlonsheim bis Morbach reden wir hier von einer Fahrzeit von sieben Stunden.
Alle BÜ müssen durch Posten gesichert werden, alle Lo-Anlagen sind weitgehend demontiert und/oder gänzlich nicht betriebsfähig.

Nach den Regeln des vereinfachten Nebenbahnbetriebes (Zugleitbetrieb) darf immer nur ein Zug auf der Strecke sein, Kreuzungen scheiden also aus.

Der angesprochene Holzverkehr ist eine Utopie bzw. Wunschdenken von WRS. Langholz zu den Verarbeitern Karl Decker (Hochscheid), Eugen Decker und elka (Morbach) ist zu einem reinen LKW-Transportgut geworden, denn das Holz wird nicht mit dem LKW zur Bahn gefahren, dann verladen und danach wieder vom Empfangsbahnhof per LKW ins Werk gefahren, der LKW fährt direkt vom Wald ins Werk.
Auch die Fertigprodukte verlassen in der Regel den Verarbeiter per LKW, weder in Morbach noch in Hochscheid gibt es Gleisanschlüsse in die Sägewerke.
Tenhaeff in Ellern, direkt an der Strecke gelegen, ist ein Buchenholzsägewerk, auch hier sind Andienung der Rohstoffe und Abfuhr der Fertigerzeugnisse mit der Bahn weder logistisch noch finanziell lukrativ darstellbar, es fehlt einfach die Infrastruktur. Ich kann mir nicht vorstellen, daß Tenhaeff den Transport der Bestuhlung einer Gaststätte oder Schule von Ellern aus per Bahn durchführt, denn am Bestimmungsort bräuchte man wieder den LKW für die "letzte Meile", da belädt man gleich den LKW in Ellern.

Stichwort Kerosintransporte. Wer genehmigt Gerfahrstofftransporte explosiver Frachten über einen seit 40 Jahren nicht mehr ordentlich gewarteten Oberbau mitten durch zahlreiche Dörfer, wo die Strecke nicht selten nur 4 Meter an Wohnhäusern vorbeiführt?
1988, als wegen der Wartung der NATO-Pipeline in der Tat Kerosintransporte über die Hunsrückbahnen durchgeführt wurden, war noch "Kalter Krieg" - das ganze wurde von der NATO finanziert, Geld spielte keine Rolle. Die Strecke war überdies in einem, verteidigungsrelevant guten Zustand, das gilt auch für die RRS Zolleiche, über die teilweise 1993 noch das Material des Flughafens Hahn abgewickelt wurde.
Es gibt am Flughafen Hahn keine Entladevorrichtung mehr für Kesselwagen. Sie könnte man auch nicht mehr einfach reaktivieren, denn die zugehörigen Gleise sind abgebaut. Das Anschlußgleis aus Büchenbeuren ist nicht mehr befahrbar, es endet ohnehin im "Nirwana" - eine Fortführung auf der alten Trasse scheitert schon daran, daß man die Trasse überbaut hat.

Das erwähnte Holz auf der Zolleiche ("riesige Holzstapel") wurde per LKW angeliefert, gehört dem Sägewerk Decker in Hochscheid und wurde -zum Schutz vor Borkenkäfern- unter Folie zwischengelagert. Natürlich wird es auch bei Bedarf wieder per LKW ins drei Kilometer entfernte Werk gefahren und nicht per Bahn.

Stichwort "Betriebspflicht" der Bahn. Hier haben sich schon seit 2001 (als die DB die Strecke aus "Sicherheitsgründen" sperrte, um den ungeliebten Konkurrenten Waldhof zu blockieren) ganz andere erfolglos die Zähne ausgebissen.
Und dann bringe ich mal, den unter Bahnfreunden sehr ungeliebten Rechnungshof ins Spiel.
Diesmal nicht den rheinland-pfälzischen, sondern den Bundesrechnungshof. Er wird keine millionenschwere Investition in eine marode Mittelgebirgsnebenstrecke absegnen, nur damit einige tausend Euro Trassenentgelte pro Jahr erzielt werden können. Das kann man dem Steuerzahler nicht plausibel machen.

Jetzt mal ins Unreine gesprochen und dafür lasse ich mich auch gerne mit fundierten Argumenten verteufeln.

Ich habe den Eindruck, hier hat sich die Interessengemeinschaft Nationalparkbahn, die weder eine EVU- noch eine EIU-Lizenz besitzt und noch weniger Eigenmittel, ein lizensiertes Bahnunternehmen vor den Karren gespannt, um sich den Traum einer großen Spielzeugeisenbahn auf Kosten des Steuerzahlers zu erfüllen.

Aber, die, die den ganzen Spaß bezahlen sollen, lassen sich nicht so einfach über den Tisch ziehen, ob Land oder Bund, bei der Reaktivierung von Bahnstrecken ist man skeptisch und kritisch: Viele alte Strecken haben -so sehr ich Eisenbahnfan bin- keine Chance, erst recht, wenn man auf den alten Gleisen bleibt und der Optimierung der Strecke schon rein topographische und Nachfrage-Grenzen gesetzt sind.

Die Strecke Morbach-Langenlonsheim hätte im ÖPNV eine Chance zur Vernetzung des Rhein-Main-Gebietes mit dem Hunsrück, wobei der Zeitfaktor eine Rolle spielt. Wenn ich in 90 Minuten von Morbach nach Mainz fahren könnte und in 70 Minuten von Simmern aus in Mainz wäre, dann wird die Bahn angenommen.
Im Güterverkehr sehe ich im Moment gar keine Potentiale.

Der Abschnitt Morbach-Hermeskeil hat gegenwärtig nicht mal Potential als Touristikbahn - der typische Nationalparkbesucher sucht das Naturerlebnis und nicht einen Köf- und 3y-Event auf 12 Kilometern, An- und Abreise mit dem Auto, versteht sich, denn zwischen Türkismühle und Hermeskeil ist die Strecke ja bekanntermaßen schon abgebaut.

Noch etwas.
Soweit ich in 10 Semestern VWL und als langjähriger Mitinhaber eines Forstbetriebes verstanden habe, ist Wirtschaft das Produzieren eines Mehrwertes aus den Faktoren Arbeit, Ressource (früher genannt Boden) und Kapital: Vereinfacht ausgedrückt - indem ich eine Nachfrage mit einem gut kalkulierten Angebot bediene, erwirtschafte ich einen Gewinn.
Marktwirtschaft bedeutet aber nicht, ein Business auf der Basis von Subventionen, Fördermitteln und Zuschüssen aufzubauen - das ist kapitalistische Planwirtschaft und am Ende steht eine gigantische Verschuldung des Staates und eine fehlende Zukunftsfähigkeit des Business. Dann aber werden wieder Fördermittel des Staates verlangt, um die Folgen einer Insolvenz abzumildern... ob Zugverkehr oder Lufthansa, alles schreit nach staatlicher Unterstützung, weil die Protagonisten nichts von Wirtschaft verstehen.

Und schließlich: Zwischen Thalfang und Geisfeld sowie Hinzert-Pölert fehlen nach einem Diebstahl 2011 immer noch viele Meter Gleis, die müßten natürlich auch noch eingesetzt werden.
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Re: Aktuelles von der Hunsrückbahn

Beitragvon Horst Heinrich » Do 9. Jul 2020, 22:14

Die heutige Rhein-Zeitung legt noch etwas Larifari nach:

Diskussion um Hunsrückbahn ist ein Beispiel von vielen:
Comeback der Schiene zum Nutzen der Umwelt passt in die Zeit


Der Vorstoß eines Schweizer Unternehmens, die Trasse der Hunsrückbahn bereits in diesem
Jahr für Gütertransporte wieder in Betrieb zu nehmen, kam überraschend – doch er passt in die
Zeit und ins Gesamtbild der Debatte um eine klimafreundlichere Verkehrszukunft
Das zeigen auch die aktuellen Initiativen des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und
der „Allianz pro Schiene“, die in diesen Tagen ihre Vorschläge für die Reaktivierung von stillgelegten
Eisenbahnstrecken in Deutschland aktualisiert und erweitert haben. Laut der neuen VDVReaktivierungsliste schlagen die Verbände 238 Strecken mit 4016 Kilometer Länge zur Reaktivierung vor.

Mit dabei: die 60 Kilometer der Hunsrückbahn von Langenlonsheim bis Büchenbeuren. Dieses
Einzelprojekt stuft der VDV mit der Priorität B (für „Hoch“) und dem Zeitfaktor „I“ ein, das heißt
„Geringer Aufwand – zügig zu realisieren“.

In einer Pressemitteilung reagiert der Ortsverband Guldenbachtal von Bündnis90/Die Grünen auf die
Neuigkeiten rund um die Hunsrückbahn. Darin schreibt Vorstandssprecher Tim Markovic:
„Hunsrückbahn-Reaktivierung: Ja, gerne – aber nicht allein für den Güterverkehr.“ Eine Reaktivierung
der Strecke sei zu begrüßen, sofern mehr als nur ein Güterverkehr geplant ist.

Bezug nehmend auf den Artikel unserer Zeitung zur möglichen Wiederinbetriebnahme der
Hunsrückbahn durch das Schweizer Bahnunternehmen WRS stellt Markovic fest: „Es freut uns, dass
neuer Schwung in die Debatte um die Reaktivierung der Hunsrückbahn kommt. Eine Reaktivierung der
Strecke kann eine große Chance für unsere Region und den regionalen Tourismus darstellen sowie
eine schnelle und umweltfreundliche Anbindung an die Ballungsräume Bad Kreuznach, Bingen und
Mainz bieten. Wir sind aber davon überzeugt, dass primär ein regelmäßiger Personenverkehr auf der
Strecke Langenlonsheim–Simmern–Büchenbeuren verkehren sollte, denn nur dann wird das volle
Potenzial der Bahnstrecke ausgeschöpft und die Anwohnenden können direkt von einer guten,
umweltfreundlichen Alternative zur überfüllten Autobahn profitieren.“

Karl-Wilhelm Höffler aus dem Ortsgemeinderat Langenlonsheim ergänzt: „Es ist erfreulich, dass nur
Flüsterbremsen an den Wagen zum Einsatz kommen sollen, aber wir möchten einen verbindlichen
Lärmschutz an den sensiblen Stellen in unseren Ortsgemeinden. Ebenso ist ein ganzeinheitliches
Sanierungskonzept für die Bahnübergange aus unserer Sicht vorzulegen. Insgesamt sind wir dennoch
optimistisch, dass das Eisenbahnbundesamt – die zuständige Bundesbehörde für die mögliche
Reaktivierung der Hunsrückbahn – dem Lärmschutz im Rahmen der Planfeststellung für den
Personen- und Güterverkehr eine besondere Bedeutung einräumen wird.“

Die Verkehrsverbände drehen mit ihren Vorschlägen ein großes Rad: „Damit könnten 291 Städte und
Gemeinden mit mehr als 3 Millionen Menschen wieder ans deutsche Schienennetz angebunden
werden und die Attraktivität des klimafreundlichen Verkehrsträgers Bahn somit weiter steigern“, so
Jörgen Boße, VDV-Vorsitzender. rg


Schon diese Aussage

Dieses Einzelprojekt stuft der VDV mit der Priorität B (für „Hoch“) und dem Zeitfaktor „I“ ein, das heißt
„Geringer Aufwand – zügig zu realisieren“.


ist fachlich gesehen ein Witz - man sollte sich mal mit der technischen und planungsrechtlichen Realität befassen,
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Re: Aktuelles von der Hunsrückbahn

Beitragvon Horst Heinrich » Mi 15. Jul 2020, 19:14

Ein Bericht im Rhein-Hunsrück-Anzeiger Boppard über die Resonanz auf die Pläne, die Hunsrückbahn für Güterverkehr zu nutzen.

CDU: Bahnverkehr nur mit Sicherheit und Lärmschutz
11. Juli 2020
Region. Der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Josef Bracht fordert gemeinsam mit den beiden designierten CDU-Landtagskandidaten Tobias Vogt und Karina Wächter umfangreiche Sicherheits- und Lärmschutzmaßnahmen bei der Nutzung der Hunsrückbahn. „Für uns gilt: Bahnverkehr nur mit Sicherheit und Lärmschutz. Daher müssen im Fall der Nutzung der Hunsrückbahn umfangreiche Maßnahmen erfolgen“, machen die drei CDU-Politiker Bracht, Vogt und Wächter deutlich. Die Christdemokraten wollen Klarheit: Daher hat Bracht in einer parlamentarischen Anfrage einen umfangreichen Fragenkatalog an die Landesregierung gerichtet.

Hintergrund der Initiative sind Bestrebungen des Unternehmens WRS (Widmer Rail Services) Deutschland GmbH, die Hunsrückbahn zwischen Langenlonsheim und Büchenbeuren sowie weiter nach Morbach und Hermeskeil wieder in Betrieb zu nehmen und zum Transport von Gütern zu nutzen. Dabei kann die Strecke offenbar im jetzigen Zustand genutzt werden. Das Unternehmen soll eine Genehmigung beantragt haben und strebt eine Nutzung der Bahnstrecke bereits ab Dezember 2020 an.

„Bahnverkehre sind angesichts des Klimawandels zu begrüßen – also weg von der Straße, hin auf die Schiene. Doch das gilt auch für den Personenverkehr. Doch die Hunsrückbahn wird mit Blick auf die angestrebte Reaktivierung der Strecke seit Jahren vernachlässigt“, so Bracht. Die jetzt geplante Nutzung der Strecke zum Gütertransport hat aus Sicht des Christdemokraten Auswirkungen auf die Sicherheit und die Lärmbelastung entlang der Strecke. „Es gibt eine Vielzahl von unbeschrankten Bahnübergängen, die tagtäglich von tausenden Personen genutzt werden. Dazu gehören teilweise auch Kinder auf dem Weg zu Kita und Schule“, erläutert Bracht. Dass die durchfahrenden Züge an den unbeschrankten Bahnübergängen beispielsweise allein durch einfaches Pfeifsignal auf sich aufmerksam machen, ist für Bracht nur schwer vorstellbar. „Es wäre dann nur eine Frage der Zeit, bis ein Unglück passiert. Denn es gibt eine große Zahl an unbeschrankten Bahnübergängen und damit zahlreiche Gefahrenstellen. Wenn Bahnverkehr erfolgen soll, müssen die Übergänge gesichert werden“, so Bracht.

Bracht plädiert im Einklang mit den beiden designierten CDU-Landtagskandidaten Vogt und Wächter gleichzeitig für Lärmschutzmaßnahmen. „Es drohen Lärmbelästigungen durch Pfeifsignale und vorbeifahrende Güterzüge – ob am Tag oder in der Nacht“, so Bracht. „Die Landesregierung muss deutlich machen, wie die Menschen entlang der Strecke vor Lärm geschützt werden sollen und entsprechende Vorkehrungen treffen.“

Der erfahrene Landtagsabgeordnete hat daher eine parlamentarische Anfrage an die Landesregierung gerichtet. In einem umfassenden Fragenkatalog will Bracht unter anderem wissen, wie die Landesregierung die Sicherheit an den unbeschrankten Bahnübergängen und Lärmbelastung durch laute Güterzüge entlang der Strecke sieht, welche Maßnahmen zu ergreifen sind und wer die Kosten dafür trägt. Gleichzeitig fragt Bracht nach der Einschätzung der Landesregierung zur Ernsthaftigkeit, Realisierungschancen und Realisierungsmöglichkeiten der angestrebten Wiederinbetriebnahme durch die WRS Deutschland GmbH besonders mit Blick auf den aktuellen Zustand der Strecke.

Angesichts der Bestrebungen zur kurzfristigen Nutzung der bestehenden Strecke fordern die heimischen CDU-Politiker im Fall der Genehmigung die zügige Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen. „Über viele Jahre hat die Landesregierung die Planungen der Hunsrückbahn verschleppt und Millionen in Planungen versenkt. Jetzt zeigt sich, ob die Landesregierung bei den Planungen auch die Interessen der Menschen entlang der Strecke im Blick hatte und hat. Denn Sicherheit und Lärmschutz müssen Priorität haben“, bekräftigen die Christdemokraten Hans-Josef Bracht, Tobias Vogt und Karina Wächter.


Wie man sich doch immer wieder an publikumswirksamen Sicherheitserwartungen hochzieht, die bei einer aktiven, nicht stillgelegten Strecke überhaupt nicht erforderlich sind.
So wenig ich glaube, daß WRS hier wirklich je fahren wird, so sehr würde ich mir wünschen, daß es wirklich mal wieder eine "richtige" Diesellok den Hunsrück hinauf schafft und Politik und Bewohnern zeigt, daß legaler Bahnverkehr hier immer noch möglich und zulässig ist, auch ohne daß jeder BÜ durch eine Lichtzeichenanlage gesichert sein muß.
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Re: Aktuelles von der Hunsrückbahn

Beitragvon Heiner Neumann » Do 16. Jul 2020, 18:00

Dazu habe ich noch was im Nachbarforum gefunden:

http://phpbb.hunsrueckquerbahn.de/phpBB ... 92#p217292

und der Kommentar des Schweizer Unternehmens auf FB:

https://www.facebook.com/WRSDeutschland ... ?__tn__=-R

Gruß

Heiner
Wenn Du ein Licht am Ende des Tunnels siehst, bete, dass es kein Zug ist :shock: !!!

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Re: Aktuelles von der Hunsrückbahn

Beitragvon Horst Heinrich » Mo 20. Jul 2020, 13:43

Heute beziehen in der Rhein-Zeitung verschiedene weitere Interessenvertreter Stellung zur geplanten Nutzung der Hunsrückbahn.

Wie immer wird hier auch meist fachlich und sachlich großer Blödsinn verzapft, andererseits sind die Ankündigungen der WRS zur Betriebsabwicklung und zum Nachfragepotential interessant. Güterverkehr von Ellern nach Bingen und von Simmern nach Mailand etwa. Da wäre schon mal interessant, welche Güter das sein sollen. Bis zur Einstellung des Güterverkehrs 2001, besonders aber in den 1980er und 1990er Jahren war das Güteraufkommen im Hunsrück nicht unerheblich und nicht wenige Kunden bedauerten den Rückzug der Bahn, allein wenn ich an die Morbacher Papier- und Holzindustrie denke.

Hans Georg Mettler (Papier-Mettler) in Morbach etwa wetterte damals auf allen politischen Kanälen gegen die "Nieten in Nadelstreifen" bei Bahn und den zuständigen politischen Gremien. Mit der ihm eigenen Unerbittlichkeit meinte er gar: "Dieses ganze Bürozores in Berlin oder Mainz gehört an den nächsten Baum gehängt."
Auch andere Unternehmer wie Konrad Mettler (Sägewerk Hinzerath) oder Karl Decker (Sägewerk Hochscheid) verstanden nicht, daß die DB eine hohe Nachfrage nach Verkehrsdienstleistungen partout nicht bedienen wollte.

Bleibt abzuwarten, ob WRS es wirklich schafft, wieder Güter auf hunsrücker Schienen zu bringen.

Hier der aktuelle Bericht:

Gütertransporte: Gewerkschaften fordern rasche Reaktivierung der Hunsrückquerbahn

Seit Jahren läuft das Planfeststellungsverfahren, und das Eisenbahnbundesamt prüfte bislang
rund 840 Einwände und Anregungen: Die Reaktivierung der Hunsrückquerbahn für den
Personnahverkehr ist ein umstrittenes Thema.

Unabhängig davon will das Karlsruher Unternehmen WRS die Strecke ab Ende 2020 für
Gütertransporte nutzen (wir berichteten). Der DGB um Michael Simon und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um Torsten Bensing appellieren: „Die Hunsrückquerbahn für regionalen Güterverkehr nutzen, die Wiederaufnahme des Personenverkehrs beschleunigen!“ EVG und DGB sprächen sich schon seit Jahren für den reaktivierten Personenverkehr aus und begrüßten, dass künftig Güter sicher und ökologisch befördert werden sollen. Es sei besser, das Holz der heimischen Forstwirtschaft und lokal verarbeitete Holzprodukte sowie das Kerosin für den Flughafen Hahn auf der Schiene statt auf der Straße zu bringen. Aber: „Die Befürchtungen der Anwohner zu Lärm und Gefahren durch nicht zeitgemäße Bahnübergänge müssen ernst genommen werden.“
Hier seien die bundeseigene DB Netz AG und das Eisenbahnbundesamt gefordert. Zunehmend begrüßten Kommunalpolitiker diese neue Entwicklung, nur wenige übten Kritik.

Bessere Erschließung der Orte
Die Nutzung der Hunsrückbahn für den Güterverkehr habe rechtlich nichts mit der Reaktivierung des Personenverkehrs und der Planfeststellung dafür zu tun, betonen DGB und EVG. Dass das Verfahren zu zäh vorankomme, kritisiere man, weil der Personenverkehr auf der Schiene statt auf der Straße klimapolitisch nötig ist, so Simon und Bensing weiter. Auch eine bessere Erschließung der Orte von Langenlonsheim bis Stromberg würde damit erreicht. Pendler, Touristen und Betriebe würden profitieren.
Die Strecke ende mittlerweile auf dem Hunsrück, habe keine Verbindung mehr zur Mosel
oder ins Saarland. Befürchtungen, hier solle die Rheinschiene entlastet werden, seien abwegig. Topografie und Ausbau ließen den Betrieb sehr langer Züge nicht zu. Es handele sich um eine noch immer betriebene, aber derzeit nur sporadisch bis gar nicht genutzte Güterzugstrecke.
„Vorschläge, sie teils in einen Radweg zu verwandeln, halten wir für absurd.“ Ebenso die Forderung, dem privaten Schweizer Betreiber die ihm rechtlich zustehende Nutzung zu verwehren. Entscheiden müsse darüber am Ende Bundesverkehrsminister Minister Andreas Scheuer (CSU), nicht die Landesregierung.
Die DB Netz AG wäre dann aber im Falle einer Absage schadensersatzpflichtig.
Wenn die Fahrgastzahlen der Bahn bis 2030 verdoppelt und der Anteil am Güterverkehr von derzeit 19 auf 25 Prozent erhöht werden sollen, „geht im Kreis kein Weg an der Reaktivierung der Hunsrückquerund der Glantalbahn und der Elektrifizierung der Nahestrecke vorbei“, erklären die Gewerkschafter.

IG in Windesheim ist besorgt
So schnell will der Vorstand der Interessengemeinschaft (IG) „Hunsrückbahn – So nicht“ mit Sitz in Windesheim das Thema aber nicht abgewickelt sehen. Er betont seine Forderungen zur Reaktivierung.
Von der Aufnahme des Güterverkehrs auf der Hunsrück-Bahnstrecke zwischen Langenlonsheim über Simmern nach Büchenbeuren und weiter bis Hermeskeil ab dem
6. Dezember durch das Schweizer Unternehmen Widmer Rail Service (WRS) AG mit Deutschlandsitz in Karlsruhe hat die IG erst aus
unserer Zeitung erfahren. IG-Vorsitzender Wolfgang Kochanowski und seine Mitstreiter betonen, dass es sich dabei nicht um die Reaktivierung der Strecke für den öffentlichen Personennahverkehr handele, so wie sie seit mehr als zehn Jahren im Gespräch ist und für die seit acht Jahren ein Planfeststellungsverfahren „dahindümpelt“.

Bei diesem nicht abgeschlossenen Verfahren wurden von besorgten Anwohnern, Gemeinderäten und anderen Trägern öffentlicher Belange mehr als 840 Einsprüche eingereicht, um den Anrainern die nach heutigem Ermessen nötige Sicherheit und den Lärmschutz zu gewährleisten.
Die Vorstandsmitglieder verweisen darauf, dass das Planfeststellungsverfahren die Vorbereitung darauf ist, eines Tages die Bahnstrecke wieder mit Personenzügen zu befahren. Sie sollen Reisende vom Flughafen Hahn zum Flughafen Frankfurt/Main und Pendler vom Hunsrück ins Rhein-Main-Gebiet bringen. Im Falle einer Reaktivierung hätten die Anwohner, bei allen ungelösten Problemen mit Lärm und Sicherheit, immerhin die Möglichkeit, diese Bahn zu nutzen.

Was nun aber durch die Berichterstattung unserer Zeitung bekannt wurde, habe damit „absolut gar
nichts zu tun“. Jetzt solle die Hunsrück-Bahnstrecke ohne nennenswerte Sanierung ausschließlich für
Güterzüge genutzt werden. Entsprechend einer Anfrage an die Landesregierung, sollen diese
Güterzüge werktags, samstags und sonntags fahren und das, so die IG besorgt, überwiegend nachts.

Laut einem Schreiben an den Landesbetrieb Mobilität, aufgrund dessen auch der CDULandtagsabgeordnete Hans-Josef Bracht in einer Anfrage an die Landesregierung Stellung genommen hat, heißt es allerdings von Seiten der Bahngesellschaft WRS, dass Züge von Mannheim nach Morbach an den Verkehrstagen Sonntag bis Freitag jeweils am sehr frühen Morgen fahren sollen. In umgekehrter Richtung soll die Trasse von Montag bis Samstag jeweils am späten Abend und in der Nacht befahren werden. Von Simmern nach Mailand seien als Verkehrstage ebenfalls Montag bis Samstag mit Abfahrten jeweils nachmittags in Simmern vorgesehen, zurück geht es laut WRSAngaben von Montag bis Samstag mit Ankunft in Simmern jeweils in der Nacht.
Am Morgen soll ein Güterzug von Ellern nach Bingen starten und zwar von Montag bis Samstag. Von Bingen nach Simmern erfolgt die Zugfahrt von Montag bis Samstag am Nachmittag.
Die Interessengemeinschaft teilt mit: „Wir als IG vertreten auch bei einer Weiternutzung der Strecke die gleichen Ziele wie bisher.“ Doch die rechtliche Situation sei eine ganz andere. Man hoffe und erwarte, dass die politischen Vertreter aller Parteien sich für die Anwohner an der Strecke einsetzen.

Umfangreiche Forderungen
Nur sie können dafür sorgen, dass deren Benutzung erst dann erfolgt, wenn folgende Punkte
gewährleistet sind: Vollständige Erneuerung der Zug- und der Streckensicherung; Absicherung der Bahnstrecke und der Bahnübergänge im geschlossenen Zustand gegen Zutritt von Personen, insbesondere Kindern; kein Transport von Gefahrgütern (Kerosin für den Flughafen Hahn); der Bau von Lärmschutzvorrichtungen in allen Ortsdurchfahrten; Nachtfahrverbot von 21 bis 7 Uhr; Einsatz von Zügen mit Flüsterbremsen – die WRS hat bereits klargestellt, dass die Bahngesellschaft ausschließlich moderne Güterwagen mit Flüsterbremsen einsetzt, da dies der Gesetzeslage entspreche.
Die IG fordert außerdem den Erhalt der Bahnübergänge, die Einhaltung der sicherheitsrelevanten Zugangswege und -zeiten für die Feuerwehren und außerdem alle Rettungsdienste.
„Wenn sich an dieser Planung nichts ändert, tritt der schlimmste Fall für die Bewohner des
Guldenbachtals ein: Die Strecke wird nur zum Transit von Gütern genutzt, die Anwohner haben keinerlei Nutzen, müssen aber alle Nachteile in Kauf nehmen”, befürchtet die IG „Hunsrückbahn – So nicht“ und kündigt Widerstand an: „Das können wir nicht akzeptieren.” nn/tor
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Re: Aktuelles von der Hunsrückbahn

Beitragvon Horst Heinrich » Mo 20. Jul 2020, 19:11

eifelhero hat geschrieben:Ich weis,
blöde Frage aber Ihr sitzt näher dran.
Wofür ein Planfeststellungsverfahren? Ist die Hunsrückbahn offiziell Stillgelegt?
Ich habe das bisher so verstanden,als wenn nur niemand Lust hatte, dort zu fahren. :?
Um sachdienliche Hinweise wird gebeten. 8-)


Das Planfeststellungsverfahren hat die Ertüchtigung der Strecke Langenlonsheim-Büchenbeuren-Flughafen Hahn für regulären SPNV zum Ziel. Der Flughafen sollte auf der alten Trasse mit einer neuen Strecke mit elektronischem Stellwerk (untergebracht beim Fdl Langenlonsheim) erschlossen werden.

Die Planungen nahmen ihren Ursprung in den 1990er Jahren, als man schon mit 10 Millionen Passagieren am Flughafen Hahn rechnete.

Seit spätestens 10 Jahren indes weiß man, daß der Hahn pleite ist, dennoch läuft das Planfeststellungsverfahren weiter, das ist in Deutschlands üblich - das Projekt ist gestorben, es wird aber weiter untersucht.

2015 beliefen sich die Kosten dieser, ich nenne sie mal Luxusertüchtigung auf rund 130 Millionen Euro. Allein wenn man die Preisentwicklung der letzten 5 Jahre mit 3 % pro Jahr zugrunde legt, sind wir mittlerweile bei 150 Millionen Euro.
Das mag ein Grund sein, warum sich Bund, DB und Land diesen Spleen ersparen wollen und das ganze hinauszögern.

Bei dem jetzigen Unterfangen geht es um Güterverkehr auf alter Trasse und alten Gleisen.
Die Originalstrecke ist bis Büchenbeuren weder stillgelegt, noch betrieblich gesperrt.
DB Netz kommt aber seiner Pflicht zur Gefahrenabwehr nach und hat die Strecke als Zugleitstrecke (Zugleiter Langenlonsheim) im vereinfachten Nebenbahnbetrieb klassifiziert. D.h. zwischen Langenlonsheim und Büchenbeuren darf immer nur ein Zug auf der Strecke sein.
Die zuletzt noch intakten Stellwerke Stromberg und Simmern wurden außer Betrieb gesetzt.
Zudem wurde die Strecken-Hg auf 10 km/h herabgesetzt.

Der Abschnitt Büchenbeuren-Morbach ist seit 2014 wegen Oberbaumängeln betrieblich gesperrt.
Der Abschnitt Morbach-Hermeskeil ist stillgelegt.
Auch der Abschnitt Büchenbeuren-Hahn ist gesperrt. Diese Strecke ist allerdings als Anschlußgleis klassifiziert und noch nicht für öffentlichen Verkehr gewidmet.
Güterverkehr auf dem Abschnitt Büchenbeuren-Morbach (hier liegt auch der Güterbahnhof Zolleiche) würde eine Instandsetzung des Netzbesitzers DB voraussetzen, es ist zu erwarten, daß es die DB hier auf einen Prozeß ankommen läßt (wie 2001, als sich EVU's gegen die Streckensperrung gerichtlich wehrten, das sieben Jahre währende Verfahren zuletzt vor dem Bundesverwaltungsgericht haben die beteiligten Bahnunternehmen leider nicht überlebt.

Der Landtagsabgeordnete Hans-Josef Bracht aus Rheinböllen hat jetzt noch einmal versucht, alle Hebel, die ihm als Landespolitiker in dieser Sache in Bundeszuständigkeit zur Verfügung stehen, in Bewegung zu setzen, um das abenteuerliche Unterfangen dieses faktisch aus dem Hut gezauberten EVU Widmer zu beleuchten.

https://dokumente.landtag.rlp.de/landta ... 270-17.pdf

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal meine Hypothese in den Raum stellen, daß die IG Nationalparkbahn, die weder Geld noch irgendwelche Lizenzen im Bahnverkehr besitzt, sich hier ein Vehikel (WRS) vorgespannt hat, etwa auch um die Landeseisenbahnaufsicht auszuschalten, die einem Schienenverkehr im Hunsrück, allen voran einem Touristikbahnverkehr seit je her ablehnend gegenüber steht.
Mit der Nutzung der Strecke unter Bundesaufsicht hätte man sich der Landeseisenbahnaufsicht (wenigstens vorerst) entledigt und könnte zumindest mal in der Streckenunterhaltung Morbach-Büchernbeuren mit dem gerade in Morbach instandzusetztenden Skl Jim Knopf und Lukas spielen.

Ich darf mich in aller Bescheidenheit als ein Insider des Bahngeschehens im Hunsrück seit mehr als 40 Jahren bezeichnen.

Ich kann mir nicht vorstellen, woher die von WRS skizzierte Schienengüterverkehrsnachfrage kommen soll.
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Re: Aktuelles von der Hunsrückbahn

Beitragvon Horst Heinrich » Di 21. Jul 2020, 17:57

Heute kam ich durch Hinzerath.
Hier befindet sich noch ein, beidseitig an die Hauptstrecke angeschlossenes Gleis und hier befand sich bis 2017 der letzte handbediente Straßen-BÜ neben Windesheim. Derzeit wird die Ortsdurchfahrt Hinzerath saniert und im Zuge dessen hat man die Gleise kurzerhand mit Asphalt an die Straßenlage angepaßt.
Die Hinzerather sind genervt von diesem BÜ, er stört das sanfte Gleiten ihres vierrädrigen Phallus, sie haben gehört, daß (O-Ton) "ein paar Verrückte" wieder Zugverkehr durchführen wollen... es gibt in Hinzerath offenbar niemanden, der das ernsthaft glaubt.

Bild

Übrigens: Eine Schrankenbock ist schon hinüber, es ist wohl einer dagegen gefahren und getürmt...
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Re: Aktuelles von der Hunsrückbahn

Beitragvon Horst Heinrich » Fr 24. Jul 2020, 13:38

Neue Horrorszenarien in Sachen Nutzung der Hunsrückbahn, diesmal schlagen die Wasserwerker in Windesheim Alarm.

Aus der Rhein-Zeitung Bad Kreuznach vom 24.07.2020

Windesheim
Zweckverband besorgt: Reaktivierte Hunsrückbahn bedeutet
auch Risiken für die Trinkwasserversorgung Windesheim.


Die angekündigte Inbetriebnahme der Hunsrückbahn durch das Schweizer Unternehmen WRS ab Dezember 2020 mit Güterverkehr bereitet dem Zweckverband Wasserversorgung Trollmühle, der für die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung von rund 42.000 Einwohnern entlang der Bahnstrecke zwischen Stromberg und Langenlonsheim zuständig ist, „zunehmend Sorgen“:

Laut Werkleiter Holger Wagner sollen lange, mit Kerosin beladene Güterzüge regelmäßig über die alten Bahngleise und Bauwerke rauschen: „Das birgt für die Sicherheit der Trinkwasserversorgung hohe Risiken, zumal die Bahnstrecke mitten durch Trinkwasserschutzgebiete, durch die engere Schutzzone II und stellenweise nur wenige Meter entfernt von den Wassergewinnungsanlagen führt.”

Wagner befürchtet, dass ein langfristiger Ausfall der Anlagen aufgrund eines Unfalls eines mit wassergefährdenden Stoffen beladenen Güterzuges in unmittelbarer Nähe kaum oder nur sehr schwer zu kompensieren wäre und zu Engpässen bei der Trinkwasserversorgung führen könnte. Doch nicht nur solche Schreckensszenarien bereiten dem Zweckverband Sorgen. Auch der Betrieb der Strecke in den hoch sensiblen Bereichen der Wasserschutzgebiete wirke sich langfristig negativ auf die Qualität des Grundwassers aus.
Da die alten Bahngleise in den Wasserschutzgebieten keine Sicherung gegen die Versickerung von Niederschlagswasser aufweisen und dieses Sickerwasser auch nicht gesichert aus den Schutzzonen herausgeleitet wird, werde sich der Einsatz von Herbiziden zur Freihaltung der Gleise von Unkraut langfristig im Grundwasser bemerkbar machen.
Aufgrund der teilweise geringen Distanz der Bahnstrecke zu den Gewinnungsanlagen werden diese Stoffe oder deren Abbauprodukte irgendwann auch in den Brunnen nachgewiesen werden. Gleiches gilt für den Abrieb von Bremsen und Tropfverlusten von Schmiermitteln. Werden in der Folge Grenzwerte der Trinkwasserversorgung überschritten, kann das dazu führen, dass Gewinnungsanlagen stillgelegt und Ersatzbrunnen gesucht werden müssen oder der Zweckverband in zusätzliche Aufbereitungsanlagen investieren müsste.
„Dass solche Szenarien keine Schwarzmalerei sind, zeigen die Erkenntnisse aus dem Betrieb von Bahnlinien im Raum Frankfurt, die ebenfalls durch Wasserschutzgebiete führen. Hier wurden im geförderten Trinkwasser bereits Herbizide und Abbauprodukte davon nachgewiesen, was diverse Maßnahmen zur Folge hatte. Insofern ist der Zweckverband gespannt, wie die Diskussionen und Planungen zur Reaktivierung der Hunsrückbahn weitergehen werden und welche Versorgungsmaßnahmen je nach Entwicklung ergriffen werden müssen.”

Die WRS Rail Service beabsichtigt, in Ellern künftig auch den Abzweig zum ehemaligen Munitionsdepot in Rheinböllen zu nutzen, der momentan im Wald bei Ellern verschwindet. Der Halt im Munitionsdepot soll als Umladestation genutzt werden, so die Information des Leiters der Deutschland-Niederlassung, Alexander Neubauer


Dieser Schwachsinn bedarf eigentlich keiner Kommentierung, zumal die genannten Wassergewinnungsanlagen schon 70-80 Jahre neben der Strecke existieren, also noch über die Zeit hinweg, da regulärer Güter- und Personenverkehr hier stattgefunden hat.

Was in dieser Zeit an wassergefährdenden Gefahrstoffen in Kessel- und normalen Güterwagen über hunsrücker Schienen transportiert wurde, wissen wahrscheinlich die Wortführer der aktuellen Empörung gar nicht. Da nahmen sich die Kerosintransporte 1988 noch harmlos aus.
Zudem spritzte die Bahn hier, wie andernorts, fleißig mit dem Herbizid DCMU, mir ist allerdings kein Fall bekannt, da einmal von einer Kontamination des Grundwassers berichtet wurde.

Der im letzten Absatz erwähnte, etwa 1,2 Kilometer lange Gleisanschluß wurde in den frühen 1980er Jahren auf Veranlassung der NATO gebaut und zeichnet sich durch einen guten baulichen Zustand aus. Er wurde allerdings nur selten befahren und erschloß das 2011 geschlossene Munitionshauptdepot der Bundeswehr im Wald zwischen Rheinböllen und Ellern.
Es würde sich für einen Straße-Schiene-Umschlagplatz eigentlich gut eignen.

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Re: Aktuelles von der Hunsrückbahn

Beitragvon Heiner Neumann » Mo 27. Jul 2020, 19:18

Eben was im Nachbarforum entdeckt:

Bild

Gruß

Heiner
Wenn Du ein Licht am Ende des Tunnels siehst, bete, dass es kein Zug ist :shock: !!!

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